Stunde der Entscheidung beim Likud

19. Dezember 2005, 14:12
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Benjamin Netanyahu und Silvan Shalom machen einander den Vorsitz der Rechtspartei streitig

Tel Aviv - Der Likud ist nur noch ein Trümmerhaufen, die letzten Getreuen hoffen aber, dass jene Partei, die bis vor Kurzem noch mit Abstand die stärkste in Israel war, sich wieder ein bisschen erholen könnte, nachdem sie heute, Montag, durch landesweite interne Vorwahlen einen neuen Vorsitzenden bekommt.

Von den vier Kandidaten haben nur zwei reale Siegeschancen: Der 56-jährige Expremier Benjamin Netanyahu galt lange als ungefährdet, wurde aber zuletzt nervös, weil der 47-jährige Außenminister Silvan Shalom rasant aufgeholt hat. Umfragen für "primaries" werden in Israel allerdings mit Vorsicht genossen, seit bei der Arbeiterpartei Amir Peretz einen von niemandem vorhergesehenen Sieg über Shimon Peres gelandet hat. Netanyahu, der als Hüter der traditionellen rechtskonservativen Ideologie auftritt, musste am Sonntag Gerüchte dementieren, wonach er im Falle einer Niederlage seinerseits den Likud verließe und diesen durch die Gründung einer Rechtspartei weiter tranchierte.

Sharon hinausgeekelt

Weil der populäre Chef Ariel Sharon nach seinem Linksschwenk hinausgeekelt wurde und viele der Likud-Granden in seine neue Zentrumspartei mitgenommen hat, steht die bisher tonangebende Bewegung vor dem Absturz in die Bedeutungslosigkeit. Laut Umfragen wird der Likud bei den Wahlen im März beinahe geviertelt werden - von seinen stolzen 40 Mandaten würden ihm ganze zwölf übrig bleiben, während umgekehrt Sharons "Kadima"-Partei hart an der 40-Mandate-Marke liegt.

Der international bestens bekannte "Bibi" Netanyahu, im Sommer aus Protest gegen den Gaza-Abzug vom Amt des Finanzministers zurückgetreten und danach mit einem "Putsch" gegen Sharon blamabel gescheitert, glaubt, den Likud auf dessen "wahren Weg" zurückführen zu müssen. "Die Likud-Wähler wissen, dass ich für eine starke Führung stehe", sagte Netanyahu, "so wie ich als Premierminister den Terror gebremst und als Finanzminister die Wirtschaft gerettet habe, so werden wir die Unteilbarkeit Jerusalems und verteidigbare Grenzen garantieren können." (seg, DER STANDARD, Printausgabe 19.12.2005)

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    Expremier Netanyahu will die rechte Rumpfpartei Likud nach Sharons Austritt führen. Silvan Shalom auch.

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