Osthoff befreit, Hintergründe unklar

22. Dezember 2005, 07:04
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Archäologin außer Landes - Auch Fahrer nicht mehr in Gewalt der Entführer - Mögliche finanzielle Forderungen des deutschen Staates

Berlin - Die nach ihrer Entführung im Irak freigelassene Deutsche Susanne Osthoff ist einem Medienbericht zufolge bereits außer Landes. Auch der Fahrer der deutschen Archäologin, Khalid al Shimani, ist nach dpa-Informationen nicht mehr in der Gewalt der Entführer im Irak. Sein Verbleib sei zur Zeit aber noch unklar, erfuhr die Nachrichtenagentur am Montag in Berlin.

Osthoff habe noch in der Nacht zum Montag ein Flugzeug bestiegen und den Irak verlassen, berichtete "Spiegel Online". Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hatte die Freilassung der 43-Jährigen am Sonntagabend bekannt gegeben, sich zu den näheren Umständen jedoch nicht geäußert. Unklar ist nach wie vor, wer Osthoff entführt hatte und ob für ihre Freilassung Lösegeld gezahlt wurde. Der Aufenthaltsort von Osthoffs ebenfalls entführtem Fahrer ist nach Angaben des Auswärtigen Amtes nicht bekannt. Das Ministerium wollte sich auch nicht dazu äußern, ob und wann die 43-Jährige nach Deutschland zurückkehren wird. Diese Entscheidung liege allein bei Osthoff.

Erleichterung

Osthoffs Mutter Ingrid Hala und Bruder Robert Osthoff reagierten mit großer Erleichterung und überglücklich auf die Freilassung. Hala sagte, sie hoffe auf ein baldiges Treffen mit ihrer Tochter, die sie seit fünf Jahren nicht mehr gesehen habe. Nach Steinmeiers Angaben ist die Moslemin Osthoff in körperlich guter Verfassung. Der Zentralrat der Muslime in Deutschland und die Opposition begrüßten ebenfalls das glückliche Ende des Dramas.

Deutsches Außenamt prüft Ersatzforderungen an Osthoff

Auf Susanne Osthoff kommen möglicherweise finanzielle Forderungen des deutschen Staates zu. Nach den Bestimmungen des Konsulargesetzes sind Empfänger von Hilfsleistungen im Ausland "zum Ersatz der Auslagen verpflichtet". Laut einem Bericht der Zeitung "Financial Times Deutschland" will das Auswärtige Amt in Berlin nun prüfen, ob Osthoff die entstandenen Kosten begleichen muss. "Wir entscheiden im Einzelfall, ob irgendwelche Kosten erstattet werden müssen", wurde ein Sprecher in der Online-Ausgabe des Blattes zitiert.

Osthoff und ihr Fahrer waren am 25. November auf einer Überlandfahrt im Nordirak von Unbekannten verschleppt worden. Auf einem Standbild aus einem der ARD zugespielten Videoband waren Osthoff und ihr Fahrer sowie drei vermummte Männer zu sehen, die unter anderem mit einer Panzerfaust bewaffnet waren. Sie drohten, ihre Geisel zu töten. Bundeskanzlerin Angela Merkel, ihr Vorgänger Gerhard Schröder, Bundespräsident Horst Köhler, die wichtigsten islamischen Vereine Deutschlands sowie die großen Kirchen hatten sich mit der Familie Osthoffs solidarisiert und sich in Appellen für die Archäologin eingesetzt, die zum Teil auch in arabischen Medien veröffentlicht wurden. (Reuters/red)

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    Susanne Osthoff und ihr Bruder Robert auf einem Archivbild - die 43-Jährige wurde nach fast dreiwöchiger Geiselhaft freigelassen und ist in guter körperlicher Verfassung.

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    Das Bild von der Geiselnahme

  • Die Archäologin war am 25. November im Nordirak entführt worden.

    Die Archäologin war am 25. November im Nordirak entführt worden.

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