Friedensverhandlungen mit Guerilla-Vertretern in Havanna

27. Dezember 2005, 11:18
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Spanien, Norwegen, Schweiz und Literaturnobelpreisträger Gabriel García Marquez vermitteln - Am Samstag sieben Tote bei Angriff auf Polizeistation

Havanna/Bogota - In der kubanischen Hauptstadt Havanna haben am Wochenende Friedensverhandlungen zwischen der kolumbianischen Regierung und der linksgerichteten ELN-Guerilla begonnen. Vertreter Spaniens, Norwegens und der Schweiz sowie der Literaturnobelpreisträger Gabriel García Marquez waren anwesend, um die Gespräche zu begleiten. Unterdessen hielt die Gewalt in Kolumbien an. Am Samstag töteten Rebellen der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) bei einem Angriff auf eine Polizeistation im Nordwesten des Landes mindestens sieben Polizisten und nahmen 33 weitere als Geiseln.

"Vertrauen schaffen"

Ein Vertreter der ELN-Guerilla sagte bei der Eröffnung der Friedensgespräche am Freitag (Ortszeit), die Gruppe wolle den Schwerpunkt der Gespräche auf die Ursache des Konflikts legen. Der Friedensbeauftagte der Regierung, Luis Carlos Restrepo, sagte, Ziel der Regierung sei es, "Vertrauen zu schaffen".

Zugleich sprach er von einem "tiefen Abgrund, der uns trennt" und warnte vor falschen Hoffnungen. Literaturnobelpreisträger Marquez rief beide Parteien eindringlich dazu auf, die Verhandlungen nicht scheitern zu lassen. "Ich hoffe, dass sie sich schämen, falls sie dieses Mal nichts erreichen", sagte er kurz vor Beginn der Gespräche. Er forderte, den Krieg endlich zu beenden.

Geiselnahme in Bogado

Bei einem Angriff der FARC wurden am Samstag nach Polizeiangaben mindestens sieben Polizisten getötet und mindestens acht Polizisten und vier Zivilisten verletzt. 33 Polizisten seien als Geiseln genommen worden. Der Vorfall ereignete sich in Bogado in der Region Choco.

FARC und ELN sind die beiden größten Rebellengruppen des Landes. In den Reihen der FARC kämpfen etwa 17.000 Frauen und Männer. Die Rebellengruppe fordert die Freilasssung von 500 ihrer Anhänger aus dem Gefängnis im Austausch gegen 59 Geiseln, darunter der früheren Präsidentschaftkandidatin der Grünen, der Franco-Kolumbianerin Ingrid Betancourt.

Tausende Geiseln werden festgehalten

Das 1964 gegründete Nationale Befreiungsheer (ELN) ist mit rund 4000 Kämpfern die zweitgrößte Guerilla-Organisation des Landes. Nach Angaben von Nichtregierungsorganisationen werden in Kolumbien zurzeit rund 5500 Menschen als Geiseln festgehalten. Allein die FARC hat rund 1100 Geiseln genommen, die ELN knapp 700. (APA)

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