Das Angebot für Betroffene erweitern

19. Dezember 2005, 09:30
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An der FH für Sozial- arbeit in Wien wird erstmals ein inter- nationales Programm zu Frauenhandel angeboten - Projektkoordinatorin Zierer im dieStandard.at-Gespräch

Wien – Immer zahlreicher werden die Aktivitäten im Kampf gegen Frauenhandel: In der kommenden EU-Ratspräsidentschaft behandelt Österreich das Thema als Schwerpunkt, die EU forderte kürzlich einen Aktionsplan zur Bekämpfung des Menschenhandels. Auch im Bildungsbereich tut sich einiges: Der Fachhochschul-Studiengang Sozialarbeit am Campus Wien bietet in diesem Studienjahr erstmals ein Intensivprogramm zum Thema Frauenhandel an. In Zusammenarbeit mit sechs weiteren Nationen tauschen die StudentInnen ihre jeweiligen Länderperspektiven aus.

Im Gespräch mit dieStandard.at weist die Koordinatorin des internationalen Studienprogramms, Brigitta Zierer, auf die Bedeutung von Frauenhandel für ihr Fachgebiet hin: "Sozialarbeit muss sich laufend mit aktuellen sozialen Bedarfsfragen auseinandersetzen und auch Lösungsvarianten dafür suchen." Gerade im Hinblick auf die "Gender-Orientierung" gehöre das Phänomen des Frauenhandels zweifellos dazu.

Internationale Vernetzung

Der Schwerpunkt des Seminars liegt auf der internationalen Vernetzung und Zusammenarbeit. StudentInnen aus Österreich, Deutschland, Litauen, den Niederlanden, der Slowakei, Ungarn und der Türkei werden in einem ersten Schritt dazu befähigt, ihre jeweiligen Länderperspektiven zum Thema Frauenhandel auszuarbeiten, sowohl rechtlich, aber auch in politischer Hinsicht. Die sozialarbeiterischen Aspekte dürfen dabei nicht zu kurz kommen: "'Was kann man den betroffenen Frauen anbieten?', 'Wie soll die Beratung aussehen?', 'Wie können die Frauen geschützt werden?' sind Fragen, mit denen wir uns befassen", so Zierer. Anschließend kommen die StudentInnen in Wien zusammen und erklären den anderen TeilnehmerInnen ihre Ergebnisse. Nicht zuletzt wird ein Vergleich der unterschiedlichen Situationen vorgenommen, der auch Schlussfolgerungen für die Sozialarbeit ermöglichen soll.

"Der Vorteil bei dieser Seminarmethode liegt darin, dass die StudentInnen Anregungen für das eigene Land mitnehmen, und gleichzeitig auch die Fähigkeit bekommen, das System, in dem sie sich zu Hause bewegen, besser zu durchleuchten", so Zierer. Da viele TeilnehmerInnen aus sogenannten "Sendeländern" kommen, ist Aufklärung besonders wichtig.

Inhaltliche Impulse

Expertinnen-Vorträge werden weitere Inputs liefern. Eingeladen ist die auf Menschenhandel spezialisierte EU-Abgeordnete Christa Prets sowie eine Mitarbeiterin der International Organization for Migration. Bei "Agency Visits" lernen die TeilnehmerInnen die darauf spezialisierte OSCE sowie Einrichtungen kennen, die sich beraterisch schon länger im Feld "Frauenhandel“" bewegen (z.B. Lefö).

Finanziert wird das internationale Projekt, an dessen Ende auch eine mehrsprachige Publikation im Juni 2006 stehen wird, durch eine Erasmus/Sokrates Hochschulkooperation der EU. Erfreulich sei, dass das Projekt so gut ankommt: "Noch nie habe ich es erlebt, dass StudentInnen aus Mangel an bezahlten Plätzen auf eigene Kosten an einem Seminar teilnehmen wollten. Das zeigt, wie groß das Interesse am Thema ist, aber auch, wie wenig es in der derzeitigen Ausbildung vorkommt", so Zierer abschließend. (freu)

  • Dr. Brigitta Zierer koordiniert das Intensivprogramm "Sozialarbeit und Frauenhandel" an der FH Campus Wien.
    foto: zierer
    Dr. Brigitta Zierer koordiniert das Intensivprogramm "Sozialarbeit und Frauenhandel" an der FH Campus Wien.
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