Serbiens Präsident: Flüchtige Kriegsverbrecher haben uns isoliert

22. Dezember 2005, 18:23
7 Postings

Tadic klagt über Benachteiligung gegenüber Kroatien und Mazedonien - Kritik an Regierung Kostunica

Belgrad - Die immer noch flüchtigen sechs mutmaßlichen serbischen Kriegsverbrecher haben das Land nach Auffassung seines Präsidenten Boris Tadic international isoliert. "Wir sind das einzige Land, das im UNO-Sicherheitsrat als der Staat abgestempelt wird, der nicht mit dem (Haager) Kriegsverbrechertribunal kooperiert", zitierten die Zeitungen am Samstag in Belgrad den Präsidenten Serbiens. Die Regierung des nationalkonservativen Ministerpräsidenten Vojislav Kostunica sei dafür verantwortlich. Während die Nachbarländer Kroatien und Mazedonien als Kandidaten für einen EU-Beitritt Fortschritte machten, werde einzig Serbien von einer Annäherung an Europa ausgeschlossen, beklagte Tadic.

Hintergrund ist der für Serbien negative Bericht der Schweizer Chefanklägerin des UNO-Tribunals, Carla Del Ponte. Sie hatte sich in dieser Woche beim Weltsicherheitsrat beschwert, Belgrad arbeite nur ungenügend mit dem internationalen Strafgerichtshof zusammen. Seit April seien keine serbischen Angeklagten mehr ausgeliefert worden und auch die Bereitstellung angeforderter Militärdokumente aus Belgrad sei unvollständig.

Die Kostunica-Regierung reagierte auf die Kritik von Tadic mit Vorwürfen an dessen Adresse. Tadic habe als früherer Verteidigungsminister und heutiges Mitglied des Obersten Verteidigungsrates nichts zur Auslieferung mutmaßlicher Kriegsverbrecher beigetragen, hieß es in mehreren Erklärungen. Die UNO-Anklägerin hatte der serbischen Armee vorgeworfen, die untergetauchten Angeklagten zu schützen. (APA/dpa)

Share if you care.