Britische Presse geht mit US-Außenpolitik ins Gericht

20. Dezember 2005, 18:40
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"Times": Keine klare Linie - "Guardian": Imperialistisches Gehabe

London - Die britische Presse geht am Samstag mit der Außenpolitik der US-Regierung ins Gericht. Die konservative Londoner Tageszeitung "The Times" kritisiert vor allem die Erfolglosigkeit des Kurses von Präsident George W. Bush, die liberale Zeitung "The Guardian" zweifelt am Gelingen der amerikanischen Irak-Politik.

"The Times" schreibt: "Diejenigen unter uns, die Amerikas Anspruch auf die Rolle der Supermacht mit einem gewissen Unbehagen betrachten, kritisieren vor allem die Rüpelhaftigkeit, mit der die US-Regierung immer wieder ihre Interessen durchsetzt. Wir haben das Bild eines neo-imperialistischen Giganten, der tut, was ihm gefällt, auf Schwächeren herumtrampelt und seine Interessen rücksichtslos durchsetzt. Doch obwohl sich die USA gern an der Spitze der freien Welt sehen, ist in ihrer Außenpolitik keine klare Linie zu erkennen. Die Kosten für Einsätze im Ausland steigen, doch wirkliche Erfolge bleiben aus. Es gibt viel Kritik an den Versuchen von US-Präsident Bush, den Rest der Welt zu führen. Noch schlimmer aber ist seine Erfolglosigkeit..."

In einem "Guardian"-Kommentar heißt es: "Bushs Wunsch, in Ländern des Mittleren Ostens Demokratien nach westlichem Vorbild zu errichten - und das notfalls mit Waffengewalt - erinnert an die imperialistische Vergangenheit Großbritanniens. Vermutlich liegt hier einer der Gründe, warum Premierminister Tony Blair den Krieg im Irak so leidenschaftlich unterstützt hat. Die Parlamentswahlen im Irak geben nun immerhin Anlass zu Optimismus. Aber eine Schwierigkeit bleibt: Wie kann man Menschen davon überzeugen, dass es in erster Linie um ihre Interessen geht, wenn man zugleich das Gewehr im Anschlag hält?". (APA/dpa)

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