Überlebenskünstler neben dem Quartier

15. November 2006, 16:28
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Vielen Geschäften im Umfeld des Museumsquartiers ging der Atem aus - Doch langsam beginnt sich Neues zu regen

Wien - Drinnen im Museumsquartier pulsiert es jung und schick. Aber im Grätzel rundum könnte man beim besten Willen nicht behaupten, dass die Kulturinvestition schon einen Boom der Erneuerung ausgelöst hätte. Zu traurig hängen die blinden Fensterscheiben in Geschäftslokalen der Karl Schweighofergasse hinterm Quartier. Zu viele Beiseln in der Neustiftgasse können neuerdings ihre Permanenzsperrstunde nicht überwinden. Und dass die Trafik in der Burggasse schon im April 2004 zugesperrt hat, fällt neben der Tristesse des halbverwitterten Portals der NÖ Gebietskrankenkasse nicht weiter auf.

Impuls wirkt

Neuerdings aber scheint sich der museale Impuls in der unmittelbaren Nachbarschaft langsam aber doch fortzusetzen. Vorerst sind es die kleinen Wunder - wie etwa das Haus in der Breitegasse 11, eine der letzten Bruchbuden an den Ausläufern des Spittelbergviertels, die über die Jahre hinweg Bestand im Zerbröseln hatte. Jetzt auf einmal wurde mit der Sanierung dieses Hauses "zu den drei Kronen" begonnen - um darin ein "Selbstbestimmungszentrum" einzurichten.

Oder Gestaltungen, die das Thema des Umfeldes direkt aufnehmen - wie etwa das nahe Hotel "ViennArt", das in seinen Fenstern verspricht: "gastfreundschaft design schlafen breakfast internet kommuniation culture zeitgenössisch". Oder am Ende der Schweighofergasse, wo längst Geschäfte wie cento design den Übergang zum Designerviertel markieren.

Kleine Zeichen

Dazu kommen aber die vielen kleinen Zeichen, die vom neuen Geist im untersten Zipfel der Mariahilfer Straße zeugen. Wie etwa jener Toilettenwart, der sich in der U2-Station Museumsquartier verwirklichte.

Oder aber der Maronibrater oberhalb der Rahlgasse, der seinen Stand "Mabaka" benannte. "Wir haben ihn entdeckt", schwören Katharina und Helene vom benachbarten Gymnasium - tatsächlich sind die Rahlgassen-Schülerinnen die besten und treusten Kunden von Dieter Kienast und Julia Hof.

"Mabaka" beim MQ

Denn sonst sind sie ihrer Zeit ein bisserl voraus. Dass hier nicht nur Maroni geboten werden, sondern auch gebratene Bananen mit wahlweiser Schoko-, Mandel-, Erdnussbutter- oder Kokosmilch-Füllung, müsste sich doch längst herumgesprochen haben. Oder dass hier die Erdäpfel auch mit Rosmarin beziehungsweise dem indischen Masala gewürzt werden.

"Ab dem Lainer stirbt's ziemlich ab", klagt Kienast über die unterste Mariahilfer Straße. "Der letzte Monat war horribel." Bis Weihnachten will der innovative Maroneur jedenfalls noch durchhalten. Aber vielleicht finden bis dahin ja noch einige heraus, was "Mabaka" heißt. "Maroni - Bananen - Kartoffel" nämlich. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD Printausgabe, 17./18.12.2005)

  • Die gebratenen Bananen vom Maronistand "Makaba" sind nicht nur innovativ, sondern auch "Fair Trade"
    foto: standard/christian fischer

    Die gebratenen Bananen vom Maronistand "Makaba" sind nicht nur innovativ, sondern auch "Fair Trade"

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