Gönnerin kehrt Salzburg den Rücken

18. Dezember 2005, 20:32
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Nach dem Streit zwischen Unternehmerin Traude Ruckser und Bürgermeister Heinz Schaden dürfte Salzburg Millionenprojekte verlieren

Salzburg – Die Saalbacher Unternehmerin Traude Ruckser, die in der Vergangenheit wiederholt als großzügige Mäzenin in Erscheinung getreten war, will alle ihre Aktivitäten in der Stadt Salzburg einstellen. Im Standard-Gespräch kündigte Ruckser an, sich aus den bisher vorgesehenen Finanzierungen zurückzuziehen.

Macht die private Geldgeberin ihre Ankündigung wahr, droht Salzburg zahlreiche Projekte zu verlieren. Leidtragende wären neben anderen das Musikum und das Haus der Natur. Für das Musikum – das frühere Musikschulwerk – hätte sie im Zuge des Neubaus die Audioausstattung für einen neuen Veranstaltungssaal übernommen, erzählt die Mäzenin. Mit dem Haus der Natur sei die Errichtung eines eigenen Observatoriums vereinbart worden.

Streitigkeiten

Auslöser für den Abschied der generösen Dame von ihren Spendenplänen ist ein Streit mit Bürgermeister Heinz Schaden (SP). Ruckser hätte auch einen mit an Mozarts „Zauberflöte“ angelehnten Objekten versehenen Kinderspielplatz mit 150.000 Euro unterstützt. Schaden ließ jedoch medial ausrichten, man könne auf Rucksers Geld verzichten, und hat ihr vorgeworfen, ihre Spende mit einer Stele samt goldener Stiftertafel junktimiert zu haben.

Keine Tafel

Die Gönnerin war entsetzt: Schaden erzähle die Unwahrheit, sie habe nie eine Tafel „schon gar nicht eine goldene“ verlangt. Einzige Bedingung ihrer Spende wäre gewesen, dass der Spielplatz den Kindern mindestens bis 2016 zur Verfügung stehe. Ein „klärendes Gespräch“ mit Schaden, sei „höchst unerfreulich“ verlaufen, berichtet die gekränkte Mäzenin. Der Bürgermeister wäre nicht bereit gewesen, sich öffentlich zu entschuldigen. Daraufhin habe sie „sämtliche Aktivitäten abgesagt“.

Ihr täten die betroffenen Einrichtungen „sehr Leid“, so Ruckser. Jetzt müsse eben Schaden selbst die Tonanlage für den Saal des Musikums bezahlen. Dieser Saal sollte übrigens auf Vorschlag des Musikums ihren Namen tragen. Dieses Ansinnen habe sie abgelehnt. Bedingung für ihre Spende war nur, dass das Orchester Camerata Salzburg während der Ferienzeit diesen als Proberaum benützen dürfe. (Thomas Neuhold, DER STANDARD Printausgabe, 17./18.12.2005)

  • Mäzenin Traude Ruckser
    foto: wild & team

    Mäzenin Traude Ruckser

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