Mozart im Kühlschrank

16. Dezember 2005, 20:07
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Gabriel Baryllis Bearbeitung der "Zauberflöte" in der Wiener Kammeroper

Wien - Es gibt viele, sehr viele Deutungen von Mozarts Zauberflöte, die jedoch alle eines gemeinsam haben: Sie orientieren sich am überlieferten Libretto und konzentrieren sich rein auf die szenische Deutung. Einen anderen Weg geht die im Rahmen von Mozartjahr 2006 in der Wiener Kammeroper uraufgeführte Bearbeitung von Gabriel Barylli. Der Text-Arrangeur und Regisseur von Sarastros Traum - Zauberflöte gekürzt reduziert die Handlung auf die sechs Paare der Oper, wobei Streichungen, Umschichtung der Texte zu anderen Personen, vor allem aber die zahlreichen Verschiebungen im zeitlichen Ablauf ganz die zwischenmenschliche Ebene hervorkehren sollen. Als Basis dienen Barilly und Thomas George (Ausstattung) ein beinahe leerer Raum sowie der fast gänzliche Verzicht auf Farben. Eine Laborsituation? Tabula rasa?

Doch die Produktion scheitert. Dies liegt einerseits in den Widersprüchen im Handlungsverlauf, die sich durch die nur minimal veränderten Texte ergeben. So trifft etwa ein glücklicher Papageno bereits vor der Pause auf Papagena, um danach wieder über seine Einsamkeit zu klagen. Vor allem aber werden die einzelnen Charaktere kaum anders als in den gängigen Klischees gezeichnet.

Papageno (Bryan Rothfuss) ist der lustige Hanswurst, Tamino (Thomas Tischler) der Weisheitssuchende und Sarastro (Arno Weinländer) der pathetische Hüter dieser nicht näher erläuterten Weisheit. Auch die Frauenfiguren sind in ihrer überlieferten Rolle gefangen, wobei Judith Halász als Pamina jedoch in gesanglicher Hinsicht beeindruckt.

Zusammen mit der statischen Personenführung, den oft recht langsamen Tempi sowie der flachen Dynamik (Musikalische Bearbeitung: Wolfgang Liebhart, Leitung des Kammerensembles: Daniel Hoyem-Cavezza) ergibt sich eine sehr kühle, gefrorene Stimmung. Dieser Mozart müsste aufgetaut werden. (DER STANDARD, Printausgabe, 17./18.12.2005)

Von Robert Spoula
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    foto: wienerkammeroper.at
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