Roma werden zum EU-Thema

29. Dezember 2005, 13:31
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Neben deutschsprachigen Volksgruppen die größte europäische Minderheit - Arge Alpen-Adria initiert Querschnittstudie

Rund acht Millionen Roma leben derzeit in der Europäischen Union. Gemeinsam mit deutschsprachigen Volksgruppen stellen sie die größte europäische Minderheit dar. Die Arge Alpen- Adria will deren Situation für die EU beleuchten.

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Klagenfurt - Die Minderheiten werden zu einem heiklen Thema für die Europäische Union. Seit der Osterweiterung sind zahlreiche neue Minderheiten hinzugekommen. Allein in Mitteleuropa, in den Mitgliedsländern der Arbeitsgemeinschaft Alpen-Adria zählt man laut Arge-Minderheiten-Bericht aus dem Jahre 2004 rund 50 verschiedene Volksgruppen.

Im Brennpunkt steht dabei die Volksgruppe der Roma, die allein in den EU-Ländern rund acht Mio. (inkl. Rumänien, Bulgarien und Russland sogar 15 Mio.) Angehörige zählt und gemeinsam mit den deutschsprachigen Volksgruppen zahlenmäßig die größte europäische Minderheit darstellt.

Die Arbeitsgruppe Minderheiten in der Arge Alpen-Adria will sich deshalb jetzt in einer Querschnittstudie intensiv mit der Minderheitensituation der Roma beschäftigen. Die Roma leben im Bereich Alpen-Adria in fast allen Mitgliedsländern u. a. in den Regionen Burgenland, Friaul-Julisch-Venetien, Kroatien, Slowenien und in den ungarischen Komitaten Györ-Moson-Sopron, Vas und Zala. Das wissenschaftlich erarbeitete Grundlagenmaterial soll dann den entsprechenden EU-Institutionen zur Verfügung gestellt werden.

Rudolf Sarközi, Obmann des Kulturvereins der österreichischen Roma, betont die Wichtigkeit einer europaweiten Auseinandersetzung mit der Roma-Minderheitenfrage: "Das Problem wird zunehmend akut, weil durch die Kriegswirren, etwa am Balkan, zusätzlich viele Roma-Zuwanderer in die EU gekommen sind." Allein in Österreich, mit einer autochthonen Roma-Minderheit von rund 6000 Personen, schätzt er die Dunkelziffer auf bis zu 20.000. Sarközi fordert einen eigenen EU-Minderheiten-Kommissar mit dem Schwerpunkt Roma: "Wichtig ist, dass es gesunden Wohnraum, Bildung und Arbeitsplätze gibt. Nur so kann die Integration gelingen."

Die Situation der Roma in Europa soll im März 2006 auch auf der nächsten Arge-Sitzung im ungarischen Komitat Baranya und beim internationalen Volksgruppenkongress am 17. Oktober in Kärnten thematisiert werden.

Weiters will man sich aber auch mit der spezifischen Rolle der Volksgruppen im Rahmen der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit, die einen wichtigen Wirtschaftsfaktor darstellt, auseinander setzen. "Die Volksgruppen sind eine wichtige Brücke. Leider wird das oft noch immer nicht anerkannt", sagt Arge-Generalsekretär Hellwig Valentin, der mit seiner Geschäftsstelle in Klagenfurt angesiedelt ist: "Der Friede beginnt im eigenen Haus."

Nur dann könne eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit dem Nachbarn auch wirtschaftlich reiche Früchte tragen. Das gelte auch für Kärnten mit seinem seit Jahrzehnten ungelösten Konflikt um zweisprachige, deutsch-slowenische Ortstafeln. Dass Kärnten damit auf EU-Ebene nun in einer Reihe mit gewaltträchtigen Konfliktherden wie Nordirland oder dem Baskenland gesehen werde, sei zwar "völlig überzogen", doch müsse man auch sehen "wie unsere Außenwirkung wirklich ist. Wenn die Menschen die Wahl zwischen Realität und Mythos haben, wählen sie den Mythos".

Das gemeinsame Haus Europa könne nur funktionieren, "wenn die Zusammenarbeit in den Regionen funktioniert - und die wiederum funktioniert, wenn es den Minderheiten gut geht", ist auch Thomas Pseiner, EU-Koordinator der Arge, überzeugt. (Elisabeth Steiner/DER STANDARD, Printausgabe, 17./18.12.2003)

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    Minderheitenrechte ...

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    ... werden zum brennenden Problem für die EU.

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