Von Siegern und Schnitzern

21. Dezember 2005, 10:11
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Johann Grugger gewann mit dem Super G in Gröden das dritte Weltcuprennen seines Skifahrerlebens - Fritz Strobl köpfelte

Gröden - "Der zweite Platz ist ja auch nicht schlecht", sagte Johann Grugger, die Kommentierung seines Sieges unterbrechend, als der US-Amerikaner Scott Macartney bei der Zwischenzeit nur vier Hundertstel über seiner, Gruggers Marke lag. "Aber der erste ist viel besser", stellte Grugger fest, nachdem Macartney als Siebenter abgeschwungen hatte.

Grugger, 24 und aus Bad Hofgastein, hotelfachgeschult, gewann das dritte Weltcuprennen seines Skifahrerlebens, im Vorjahr hatte er sich die Abfahrt in Chamonix und jene anlässlich der WM-Generalprobe in Bormio geschnappt. Grugger bedankte sich bei seiner Ski-Firma Head artig für das schnelle Brett, denn die Zeit holte er im unteren Teil, "wo du nicht viel mehr machen kannst als in die Hocke zu gehen". Im Testteam befinden sich Bruder Stefan und der ehemalige Weltcupläufer Christian Greber.

Norwegens Aksel Lund Svindal (5.) holte sich die Weltcupführung von Bode Miller (8.) wieder zurück, und Hannes Reichelt widerfuhr wieder einmal Ungemach. Der Radstätter touchierte mit dem linken Arm im oberen Teil eine Torstange, schaute, ob der Körperteil noch dran ist, beutelte den Skistock ab, fuhr mit einem zu Tal und berichtete von großem Schmerz im geprellten Arm.

Für Aufsehen sorgte Fritz Strobl. Ambitioniert verließ der Abfahrtsolympionike das Starthaus, die Innenkanten beider Skier griffen nach einem verunglückten Schlittschuhschritt, die Geräte zogen unwiderstehlich auseinander, und ihr machtloser Herr stürzte zwischen den beiden kopfüber in den Schnee. Strobl rappelte sich auf, nahm das Rennen wieder auf. "Runter hätt ich sowieso müssen." Mit 9,78 Sekunden Rückstand wurde er 60. und Letzter. "Ein depperter Start", sagte er aus, nachdem er sich erfolgreich gezwungen hatte, das Malheur mit Humor zu nehmen, "aber es ist was Großartiges passiert. Das hab ich in 15 Jahren noch nicht zusammengebracht."

Abgesehen von diesem sehenswerten Schnitzer hat man wieder Robert Demetz in seiner Werkstatt in St. Christina besucht, um sich diesmal die Heiligen Drei Könige zu besorgen. Schließlich hat die Holzschnitzerei eine noch größere Tradition als der Skisport auf der Saslong. Schön, dass Herr Demetz penibel Buch führt. Am gleichen Tag vor einem Jahr hat er unter dem Stichwort Reporter eingetragen, dass die Figuren, die er an den Mann brachte, zehn Zentimeter groß sind. Kaspar, Melchior und Balthasar werden also zu den anderen passen. Herr Demetz schnitzt seit 52 Jahren, seit einigen Jahren macht er am Samstag frei, um sich die Abfahrt zu geben. Gern erinnert er sich an die fernsehlose Zeit, denn das Radiohören und Schnitzen bis spät in die Nacht passten wunderbar zusammen. "Aber am Sonntag", sagt Herr Demetz, "habe ich noch nie geschnitzt."

Ein ander Demetz, der auf den Namen Erich hört, ist seit Donnerstag Ehrenbürger der Gemeinde Wolkenstein. Seit 1986 sitzt er dem FIS-Weltcupkomitee vor. Und auf dass auch die dritte Gemeinde im Grödnertal zu ihrem Recht komme, wurde am Freitag in St. Ulrich heftig gefeiert, nämlich 40 Jahre Skiweltcup, den sich weiland der französische Journalist Serge Lang, Honore Bonnet und Bob Beattie, die Teamchefs Frankreichs und der USA, sowie Österreichs Sportwart Sepp Sulzberger ausgeheckt hatten. In den vergangenen vier Jahrzehnten gab's unter diesem Titel rund 2500 Rennen auf 168 Schauplätzen in 22 Ländern, verteilt auf vier Kontinente. Nur Afrika wurde noch nicht beglückt, dabei böte etwa Marokkos Hoher Atlas Gelegenheit.

Gelegenheit für ein tolles Abfahrtsrennen bietet jedenfalls am Samstag die Saslong, am Sonntag steigt drüben in Alta Badia ein zünftiger Riesenslalom auf der Gran Risa. (Benno Zelsacher aus Gröden - DER STANDARD PRINTAUSGABE 17./18.12. 2005)

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    Sieger Johann Grugger: "Dass es im Super-G für ganz vorn gereicht hat, ist auch für mich eine Sensation. Das ist das schönste Weihnachtsgeschenk."

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