Gemeinsam gegen China und Indien?

20. Dezember 2005, 18:15
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Zu „creative design“ gibt es zwar viele Pläne – doch noch herrscht regionales Denken

Eine Zeichnung im Report. Magazin für Kunst und Zivilgesellschaft in Zentraleuropa bringt es auf den Punkt. Sie zeigt eine EU-Flagge mit einem kleinen Nachweis: „Made in China“.

„Unsere Konkurrenz ist in Indien, in China, nicht in Ungarn oder der Slowakei“, sagt Waltraud Hösele vom Automotive Cluster Vienna Region (ACVR). Das gelte für die Kreativbranche ebenso wie für innovative Unternehmen im allgemeinen. Ungarische Designer etwa haben vor wenigen Wochen auf einer Kooperationsbörse in Györ eine Studie über grenzübergreifende Formen der Zusammenarbeit vorgestellt. Das könnte, so Hösele, der Ausgangspunkt einer gemeinsamen Plattform werden. „Ein Vorbild, wenn auch noch kein grenzübergreifendes, ist das Forschungsprojekt, das ARC Seibersdorf für den Automobilbereich gemacht hat: Es wurden die strömungstechnischen Vorgänge an Außenspiegeln untersucht und optimiert.“ Das könnte zu einer Zusammenarbeit mit Betrieben diesseits und jenseits der Donau führen.

Dazu fällt einem zwar zunächst der Auto-Schwerpunkt rund um Bratislava ein, doch der ist für ACVR nur bedingt ein Modell: Dort wird billige Produktion erwartet, nicht Kreativität und Innovation. Noch billiger aber sind andere, zum Beispiel die eingangs genannten asiatischen Länder. Darum suchen Projektbetreiber eher nach Wertschöpfung in Bereichen, in denen neue Ideen geboren und vorangetrieben werden. Um hier einen brain drain zu verhindern, soll Centrope von einer Marke zu einer wirtschaftspolitischen Realität werden.

Große Pläne

In der EU ist der Begriff jedenfalls verankert. Im Interreg- IIIA-Programm laufen die Anträge zusammen, die Entwicklungsagenturen in Südmähren, der Westslowakei, in Nordostungarn, Niederösterreich und Wien absenden. Die Kooperation mit den unmittelbaren Nachbarn läuft auf verschiedenen Ebenen, entweder schon länger etabliert oder erst als Plan, wie bei der für den Kreativbereich zuständigen Wiener Stelle Aperture, die zur Zeit noch ihre lokale Position konsolidiert.

Leicht und praktikabel ist ein Wiederanknüpfen zwischen Städten wie Wien und Brünn, wenn es um historische Substanz geht. Dem für seine Zeit zweifellos innovativen Gregor Mendel wird seit drei Jahren nicht nur eine Non-Profit-Einrichtung, das Mendel-Museum in Brno, gewidmet. Der Ort ist auch Schauplatz von Konferenzen und Ausgangspunkt einer gemeinsamen Plattform für die Wiener Institutionen IMP (dem renommierten Institut für Molekularpathologie), dem Verein für Genomforschung und dem Mendel-Zentrum in Tschechien.

Ebenfalls auf akademischer Ebene rücken das Zentrum für Regionale Forschungen in Györ und das Klagenfurter, in Wien stationierte, Institut für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung (IFF) zusammen. Sie erforschen sozusagen selbstreflexiv die Perspektiven grenzüberschreitender universitärer Zusammenarbeit inklusive Wissenstransfer und Profilbildung.

Im Bereich der angewandten Forschung betreut die Forschungsförderungsgesellschaft FFG seit Jahren Aktivitäten im Rahmen des sechsten EU-Rahmenprogramms. Manfred Horvat, für diesen Bereich zuständig, ortet Schwerpunkte der Kooperation mit der Slowakei (Umweltforschung, IT), Ungarn (Lebensmitteltechnologie, Life Sciences), aber auch dem Westbalkan: „Alle diese Aktivitäten sind für uns ebenso wissenschaftlich wie wirtschaftlich wichtig.“

Biogene, abbaubare Rohstoffe statt Plastik aus Erdöl: Unter diesem Motto und dem Namen „N packt’s“ geht der Kunststoff-Cluster der ecoplus daran, die erneuerbaren Ressourcen in der Landwirtschaft für Verpackungen einzusetzen. Zwar überwiege noch regionales Denken, doch, so ein Cluster-Manager, „es gibt konkrete Pläne, mährische und slowakische Standorte miteinzubeziehen. Die Art der Landwirtschaft und die Probleme sind ja ähnlich.“

Zusammenrücken

Der Herz der Region soll ebenfalls zweifach schlagen: „Twin City“ ist der Kodename für die Bemühungen, Wien und Bratislava als einen großen urbanen Raum zu begreifen und zu planen. Laut einer GfK-Untersuchung wünscht sich die Mehrheit der Menschen in beiden Regionen eine engere Zusammenarbeit, vor allem in den Bereichen F&E, Kunst und Kultur, Menschenrechte, Computertechnologie und Verkehrswesen.

Die Schienen für die Zwillingsregion sollen denn auch bald gelegt werden – buchstäblich: „Man wird“, sagt Otto Schwetz von der Wiener Transport Infrastructure Needs Assessment TINA, „mit der neuen Hochgeschwindigkeitsbahn in weniger als 50 Minuten vom neuen Wiener Zentralbahnhof nach Bratislava fahren können. Und beide Flughäfen werden angebunden sein.“ Ob es irgendwann einmal noch schneller gehen wird? „Das hängt vom EU-Finanzrahmenplan ab.“ (DER STANDARD, 21. Dezember 2005)

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