Gut auf dem Holzweg unterwegs

20. Dezember 2005, 18:15
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Cluster spielen in der Region Centrope zunehmend eine wichtige Rolle, da sie strukturschwachen Regionen auf beiden Seiten der Grenze zu wirtschaftlichem Aufschwung und internationalen Kooperationen verhelfen können. Das Beispiel Holz zeigt, wie’s gehen kann

Gemeinsam mit sieben anderen Holz verarbeitenden Betrieben gründete die Firma Grassmann Sessel 1999 die „Linie 8“. Der Zusammenschluss der acht Pielachtaler Firmen sollte unter anderem Synergien schaffen. „Der Hintergedanke war, ein eigenes Produkt auf die Beine zu stellen. Hinzukommt der Austausch von Know-how untereinander“, umreißt Günter Grassmann, Geschäftsführer von Grassmann Sessel, die Zielsetzung des lokalen Netzwerks.

Was hier im Kleinen durchexerziert wird, folgt einem erfolgreichen wirtschaftlichen Konzept: dem Cluster. Die Idee dazu stammt aus den 1980er und 90er Jahren. Sie galt als Rezept zur Steigerung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit. Cluster haben sich aber auch als Mittel zur Anhebung der internationalen Konkurrenzfähigkeit von Regionen bewährt. Netzwerke helfen zudem vor allem kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). Ein Aspekt, der speziell in Österreich wichtig ist: 99,5 Prozent aller Unternehmen Österreichs zählen laut EU-Definition zu den KMU.

Anforderungen, wie Innovationsfähigkeit oder Spezialisierung, sind von einem Betrieb allein oft nicht zu bewältigen: „KMU haben im Durchschnitt neun Mitarbeiter“, erklärt Peter Sattler, Manager des niederösterreichischen Holz Cluster, „sie haben in der Regel nicht die Zeit, sich um Forschung, Entwicklung oder Marktanalyse zu kümmern. Ein Vorteil für eine Partnerfirma ist somit der Informationsvorsprung. Die Kooperation von Unternehmen innerhalb des Netzwerks ermöglicht es, neue Produkte zu entwickeln und sich am Markt besser zu positionieren.“

Der niederösterreichische Holz Cluster, gegründet 2001, ist eine Initiative von ecoplus, der niederösterreichischen Wirtschaftsagentur.

129 Unternehmen, wie Tischlereien, Forstbetriebe oder Architekturbüros sind mittlerweile im Cluster vernetzt.

Im Bereich Forschung und Entwicklung arbeitet das Holz Clustermanagement mit der Forschungsabteilung der HTL Mödling, dem Institut für Holzforschung der Universität für Bodenkultur und der Holzforschung Austria zusammen. Im Zusammenhang mit Design gibt es zudem eine Kooperation mit der New Design University in St. Pölten.

Dialog mit dem Osten

Auch Internationalisierung ist ein Thema. „Centrope ist etwa für den Automotive-Sektor interessant, weil viele Assembler zunehmend in der Slowakei, Tschechien und Ungarn ansässig sind. Wenn Firmen den Sprung in eines dieser Länder wagen wollen, unterstützen wir sie dabei“, betont Freudenthaler, „beim Holz Cluster geht es eher um interkulturelles Management. Das heißt wir versuchen nationale und internationale Fachleute zum Zweck des Knowhow-Austauschs zusammenzuspannen. Für Holz ist Centrope interessant, für Automotive und Kunststoff aber überlebenswichtig.“

Gegenwärtig läuft ein interkulturelles Sprachprojekt, das an der HTL Mödling zusammen mit Tschechien und Ungarn betrieben wird. „Es geht darum, Fachbegriffe aus dem Holzbereich in die jeweilige Landessprache zu übersetzen und Dolmetscher auszubilden. Wir werden versuchen, auch slowakisch einzubinden“, beschreibt Sattler die Ziele des Projekts. Seiner Erfahrung nach ist die Sprache auch die größte Hürde, die viele Unternehmen abhält, in den Osten zu gehen. Denn fachlich gebe es genügend Anknüpfungspunkte.

„Niederösterreichische Firmen sind vor allem am westungarischen Raum interessiert. Vor allem die Gegend um die grenznahen Städte Sopron und Moson ist sehr attraktiv“, schildert Karola Bolzer vom ecoplus-Büro in Budapest. Außerdem ist die Schwellenangst bei ungarischen Betrieben noch größer als umgekehrt. Und das, obwohl das Interesse am Nachbarn durchaus hoch sei, wie sie betont.

Vom Baum zur Wärme

Im Zuge der Errichtung des Biomassekraftwerks im südburgenländischen Güssing 2001/2002 siedelten sich Holz verarbeitende Betriebe in der Umgebung des Kraftwerks an. Der Holzcluster deckt damit zwei Bereiche ab: Zum einen den Bereich Parkettfertigung und zum anderen den Bereich Energieerzeugung. Mit dem Rohstoff Holz wird Wärme, Strom, Treibstoff, Gas und Kälte erzeugt. Die beiden größten Parkettwerke Österreichs sind hierher gekommen. Ihnen folgten Zulieferbetriebe. Auch ein Laubholztrockenzentrum ist entstanden. „Das alles greift wie ein Netzwerk zusammen. Jeder Teil des Holzes wird verwertet“, sagt Reinhard Koch, Geschäftsführer des Europäischen Zentrums für erneuerbare Energie in Güssing.

Über das Europäische Zentrum läuft auch die Zusammenarbeit mit Ungarn. „Hier kommt das Know-how aus Forschung, Anlagenbau und Dienstleistung zusammen. In Form von Kooperationsverträgen wird dieses Fachwissen weitergegeben“, erklärt Koch. Der Cluster brachte zudem wirtschaftlichen Aufschwung in eine der ärmsten Gegenden Österreichs. Koch: „Knapp fünfzig Betriebe haben sich neu angesiedelt. Es entstanden tausend Arbeitsplätze.“ (DER STANDARD, 21. Dezember 2005)

Markus Böhm
  • Vom Holzschnitzel bis zum Parkettboden – von diesem Rohstoff ist alles sinnvoll zu verwerten. Vorgeführt wird das beispielsweise in Güssing

    Vom Holzschnitzel bis zum Parkettboden – von diesem Rohstoff ist alles sinnvoll zu verwerten. Vorgeführt wird das beispielsweise in Güssing

  • Für den niederösterreichischen Holzcluster ist die Region Centrope als „Heimmarkt“ mehr als nur interessant

    Für den niederösterreichischen Holzcluster ist die Region Centrope als „Heimmarkt“ mehr als nur interessant

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