Radetzky-Festungen feilgeboten

22. Dezember 2005, 20:00
posten

Privatisierung staatlicher Denkmäler in Italien umfasst auch Bauten aus der habsburgischen Zeit

Rom - Im Zug der Privatisierung staatlicher Denkmäler aus Spargründen hat die italienische Regierung den Verkauf von mehreren ehemaligen österreichischen Festungen aus der Radetzky-Zeit beschlossen. Im Rahmen des am Donnerstag beschlossenen Haushaltsgesetzes für 2006 wurde Grünes Licht für den Verkauf des 1815 errichteten österreichischen Festungsvierecks zwischen Peschiera und Mantua gegeben. In dieser Gegend war es im Zug der italienischen Einigung ("Risorgimento") zu drei Kriegen zwischen Piemont und Österreich gekommen.

Im Jahr 1814, nach den Napoleonischen Kriegen, wurde Verona an Österreich angeschlossen. Die Befestigungsanlagen der Stadt wurden reorganisiert und erweitert. Damit wurde Verona zur wichtigsten der vier Festungen (die anderen waren Mantua, Peschiera und Legnago), die das "Quadrilatero" (Festungsviereck) bildeten. Das ganze Verteidigungssystem des österreichischen Reiches stützte sich auf das "Quadrilatero", das während der Unabhängigkeitskriege seine Wirkung beweisen sollte. 1866 wurden Verona und seine Provinz dem Königreich Italien angeschlossen.

Empörte Reaktionen

Die Pläne der italienischen Regierung zum Verkauf des "Quadrilatero" sorgten für Entrüstung bei bekannten lokalen Architekten. Das Festungsviereck sei ein historisches Denkmal, das nicht verkauft werden dürfe. Auch die Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera", die in der Freitag-Ausgabe über den geplanten Verkauf der Festung berichtete, zeigte sich empört. "Es ist besser, wir geben das Festungsviereck Österreich oder den Radetzky-Erben zurück als so damit umzugehen", kommentierte die Tageszeitung. Der "Corriere" warnte davor, die Festungen könnten in Wellness-Zentren oder Hotels umgewandelt werden. "Die fantastische Festung Ardietti könnte in ein Grand Hotel Radetzy umgewandelt werden", heißt es in der Tageszeitung.

Pläne der Regierung Berlusconi zur Veräußerung nationaler Schätze an Privatleute sorgen bereits seit Monaten für Diskussionen. Die Regierung hat 2002 zwei Gesellschaften, Infrastrutture Spa und Patrimonio Spa gegründet, die für die Verwaltung von Staatseigentum verantwortlich sind und einzelne Vermögenswerte zum Verkauf anbieten können. Dahinter steckt die Theorie, dass Private Kunstschätze besser erhalten könnten als der Staat. Beide Gesellschaften werden vom Bundesschatzamt kontrolliert. Der Verkauf von öffentlichem Eigentum sowie höhere Pacht- und Mieteinnahmen sollen helfen, das ausufernde Staats-Defizit abzubauen.

Die ehemalige Kulturministerin Giovanna Melandri besteht auf dem Unterschied zwischen verkäuflichen und nicht verkäuflichen Schätzen. Berlusconi hatte in einem Brief an Staatspräsident Ciampi versichert, dass die Kunst- und Naturschätze Italiens unverkäuflich seien. Die Regierung wolle die nationalen Schätze schützen, nicht verschleudern. Lediglich Güter und Immobilien im Besitz von Ministerien, Staatsbetrieben oder Gemeindeverbänden sollten verkauft werden. Die Regierung habe aber mit den Plänen des Verkaufs des Festungsvierecks das Wort nicht gehalten, kritisierte der "Corriere". (APA)

Share if you care.