Grazer Babyklappe: Heuer erstmals Babys abgegeben

16. Dezember 2005, 14:08
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Zwei Mütter entschieden sich für diesen Weg - 2005 sieben anonyme Geburten

Graz - Seit vier Jahren besteht für schwangere Frauen die Möglichkeit, ihr Baby unerkannt an einer so genannten Baby-Klappe abzugeben. Während das Angebot in den Vorjahren von keiner Frau in Anspruch genommen wurde, haben in diesem Jahr gleich zwei Mütter ihre Neugeborenen an der Klappe bei der Geburtshilflich-Gynäkologischen Universitätsklinik des LKH-Universitätsklinikum Graz abgegeben, hieß es am Freitag in einer Aussendung der Kontaktstelle Anonyme Geburt - Babyklappe.

In diesem Herbst wurden am LKH Uniklinikum Graz - im Abstand von einigen Wochen - erstmals zwei Neugeborene an der Babyklappe übergeben. Beide Kinder seien wohlauf und befinden sich bereits in liebevoller Pflege bei ihren künftigen Adoptiveltern, so Christa Pletz von der Kontaktstelle Anonyme Geburt - Babyklappe.

Seit 2001 36 anonyme Geburten

Die Möglichkeit der Anonymen Geburt wurde seit 2001 bereits öfter in Anspruch genommen: Alleine in diesem Jahr haben sieben Frauen in der Steiermark diesen Weg gewählt. Fünf weitere Mütter haben nach einer ursprünglich Anonymen Geburt ihre Anonymität aufgehoben und sich entweder für eine Adoptionsfreigabe oder ein Leben mit dem Kind entschieden. Nach einer anonymen Geburt übernimmt das Jugendamt die Verantwortung für das Kind und übergibt es in die Pflege von Adoptiveltern. Die Mutter hat jedoch sechs Monate Zeit zum Kind zurück zu kehren, erst danach kann die Bewilligung zur Adoption erteilt werden. Seit 2001 gab es insgesamt 36 anonyme Geburten in der Steiermark, so Christa Pletz.

Die Frauen kämen aus allen sozialen Schichten, verschiedenen Altersgruppen und die meisten hätten bereits ein oder mehrere Kinder. Angst, Scham und Schuldgefühle belasten sie und sie hätten meist keinen Menschen, dem sie sich anvertrauen können, sehen keinen Ausweg, so Pletz.

Informationen zur anonymen Geburt

Die Caritas betreibt außerdem im Auftrag des Landes eine Hotline (Tel. 0800 838383) und eine Kontaktstelle, die für Frauen in diesen Notsituationen kostenlos und anonym Information und Beratung bietet. Im ersten Schritt geht es für die Beraterinnen darum, den Frauen Möglichkeit zu geben, über ihre quälenden Ängste und Sorgen offen zu sprechen. Danach erhalten sie Informationen über die anonyme Geburt, Babyklappe und alternativen Möglichkeiten, wie Adoptionsfreigabe, Pflegeplatzunterbringung und weitere Hilfe. Für die Zeit bis zur Geburt, aber auch nach der Geburt des Kindes, steht die Kontaktstelle den betroffenen Frauen mit Beratung und Unterstützung zur Seite. (APA)

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