Fett und Feuchtigkeit halten die Haut im Winter widerstandsfähig

13. Februar 2006, 14:01
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Expertin Kopera von der Uniklinik Graz erklärt im Gespräch, was Sie in der kalten Zeit für Ihren Hautschutz tun können

Trockene Luft, kalter Wind und zu warme Räume zählen zu den Stressoren, die der Winter für unsere Haut bereithält. Gereizte Haut und rissige Lippen bis hin zu Erfrierungen sind die Folge. Univ. Prof. Dr. Daisy Kopera von der Universitätsklinik für Dermatologie in Graz erklärt im Gespräch mit NetDoktor.at, was Sie in der kalten Jahreszeit für Ihren Schutzmantel tun können.

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NetDoktor: Mit sinkenden Temperaturen steigt die Zahl derer, die unter Hautproblemen leiden. Welche Mechanismen stecken hinter der vermehrten Schutzbedürftigkeit unserer Haut in der kalten Jahreszeit?

Kopera: Bei Minusgraden und geringer Luftfeuchtigkeit trocknet die Haut extrem aus. Durch eine bei niedrigen Temperaturen verminderte Talgproduktion – das von den Talgdrüsen ausgeschiedene Fett bildet einen natürlichen Schutzschild – wird die Haut anfällig und reagiert auf äußere Einflüsse mit Ekzemen, Juckreiz und Entzündungen.

NetDoktor: Die Kosmetik kennt verschiedene Ansätze, um die Haut gut durch den Winter zu bringen. Welche Stoffe sind aus dermatologischer Sicht am besten dazu geeignet?

Kopera: Gewissenhafte Hautpflege, das ist die regelmäßige Zufuhr von Fett und Feuchtigkeit, erhält die Haut widerstandsfähig. Natürlich muss die Zusammensetzung der Pflegeprodukte auf den individuellen Hauttyp abgestimmt sein: Das heißt, fette, grobporige, zu Unreinheiten neigende Haut braucht mehr Feuchtigkeit. Trockene, feinporige Haut erfordert eine reichhaltigere Pflege mit mehr Fettanteil.

Bei niedrigen Temperaturen darf die Pflege als Kälteschutz eine Nuance fetter sein als normalerweise. Zusätzliche Inhaltsstoffe wie UV-Filter, Radikalfänger und Antioxidantien haben hier sicher ihren Stellenwert. Ein Tipp für den Kälteeinbruch unterwegs: Streichen Sie ruhig einmal mit einem guten Lippenpflegestift über Wangen und Nasenspitze. Das schützt vor Kälteschaden und Erfrierungen.

NetDoktor: Gibt es Produkte und Pflegemaßnahmen, die bei kalter, trockener Luft eher nicht angewendet werden sollten oder gänzlich tabu sind?

Kopera: Zu wässrige Zubereitungen sollten bei Kälte nicht angewendet werden. Leichte Feuchtigkeitslotionen mit hohem Wasseranteil können bei sehr niedrigen Temperaturen auf der Haut gefrieren und lokale Schäden nach sich ziehen. Auch Peelings und alkoholhaltige Gesichtswässer sollte man in der kalten Jahreszeit seltener anwenden.

NetDoktor: Welche Hautpartien reagieren besonders sensibel auf die winterliche Belastung?

Kopera: Nase, Fingerspitzen, Ohren und andere so genannte akrale, grundsätzlich weniger durchblutete Körperstellen sind besonders gefährdet, einen Kälteschaden zu erleiden. Bei extremen Witterungsverhältnissen können auch Wangen und Kinn in Mitleidenschaft gezogen werden.

NetDoktor: Beim Versuch, die Lippen mit einem Pflegestift zu schützen, kommt es häufig zum gegenteiligen Effekt. Wie ist das zu erklären?

Kopera: Bestimmte Mineralöl-Bestandteile in Lippenpflegestiften können der Haut Feuchtigkeit entziehen, so dass erst recht spröde und rissige Lippen resultieren. Dies wird durch den Umstand begünstigt, dass die Lippen weder über Schweiß- noch Talgdrüsen verfügen.

NetDoktor: Verstärkt Make-up den Schutzmantel der Haut oder sollte darauf im Winter eher verzichtet werden?

Kopera: Auch hier gilt es, die richtige Zubereitung zu wählen. Als Kälteschutz sollten eher reichhaltige Cremes als Make-up-Unterlage angewendet werden, am besten auch im Winter mit Sonnenschutzfaktor (UV-Filter). Grundsätzlich kann man Make-up aber nicht mit Kälteschutz gleichsetzen.

NetDoktor: Wie sollte das Raumklima in Wohnung und Büro beschaffen sein, um die Haut nicht unnötig zu belasten?

Kopera: Um die Haut nicht unnötiger Austrocknung auszusetzen, sollte die Luftfeuchtigkeit im geheizten Raum etwa 60 Prozent betragen.

NetDoktor: Bei welchen dermatologischen Erkrankungen ist besondere Winterpflege erforderlich?

Kopera: Bei trockener Altershaut, Atopischer Dermatitis/Neurodermitis, Ekzemneigung oder stark beanspruchter Haut (z.B. Hände) sollte die Pflege in Bezug auf ihre Zusammensetzung (Fett/Feuchtigkeit: Öl in Wasser oder Wasser in Öl) der jeweiligen Jahreszeit angepasst sein.

NetDoktor: Viele Menschen flüchten vor der Kälte und fliegen "in die Sonne". Kann man die sonnenentwöhnte Haut auf den abrupten Klimawechsel bei Fernreisen vorbereiten?

Kopera: Durch die verminderte Intensität der UV-Strahlung wird die im Sommer angelegte "Lichtschwiele", eine Art natürlicher Sonnenschutz, kontinuierlich abgebaut. Folglich sollte bei winterlichen Fernreisen auf jeden Fall genug Sonnenschutzmittel mit potenten UV-Filtern (mindestens Sonnenschutzfaktor 15) mit von der Partie sein. Zusätzlich kann man Nahrungsergänzungsmittel mit Carotin und Farnextrakten, Vitamin C als Radikalfänger einnehmen und/oder Sonnenpflegeprodukte mit Liposomen, Reparaturenzymen und Kaktusextrakten anwenden. Bei sehr hellhäutigen Menschen kann eine Vorbehandlung mit UV-Licht durchaus sinnvoll sein. Dies sollte aber ein/e Hautarzt/ärztin entscheiden.

NetDoktor: Sonnenstudios sind derzeit stark frequentiert. Neben verbesserter Stimmungslage berichten Solarium-Besucher immer wieder von geringeren Hautproblemen im Winter. Was steckt dahinter?

Kopera: Das ist aus dermatologischer Sicht nicht wirklich nachvollziehbar. Möglicherweise sind Solarien-BenutzerInnen hautbewusste Menschen, die ihre Haut besser pflegen als andere und daher weniger "Winterprobleme" mit ihrer Haut haben.

NetDoktor: Auch Dampfbäder und Saunen freuen sich über vermehrten Zulauf. Ist das in vielerlei Hinsicht gesunde Schwitzen auch gut für die Haut?

Kopera: Feuchtwarmes Klima kurbelt den Stoffwechsel der Haut an, bessert die Durchblutung, stimuliert die Schweißdrüsen. Auf die richtige Hautpflege nach dem Schwitzen und nach der Dusche ist jedoch zu achten, denn jeder Wasserkontakt laugt die Haut aus und greift den natürlichen Fett- und Säureschutzmantel an. Extrem trockene und heiße Saunagänge trocknen die Haut besonders stark aus und können – genauso wie extreme Kälte – die Bildung von Hautveränderungen wie Couperose ("geplatzte Äderchen") unterstützen.

NetDoktor: Neben Wind und Kälte hat der winterliche Schiausflug auch noch erhöhte UV-Belastung zu bieten. Wie sieht der richtige Schutz beim Wintersport aus?

Kopera: Schon vor dem Anschnallen Gesicht, Ohren und gegebenenfalls die Kopfhaut durch Verwendung von Sonnenschutzmitteln mit hohem UV-Filter schützen, am besten mit kombinierten Kälte-Lichtschutz-Präparaten. Das beugt nicht nur beschleunigter Hautalterung (Bildung von Falten, Runzeln, Flecken) vor, sondern verhindert auch die Entstehung von durch UV-Strahlung hervorgerufenem Hautkrebs.

NetDoktor: Wer seine Füße zu wenig vor Schnee und Matsch schützt, kämpft mit nassen Füßen. Wer sie zu viel einpackt und schwitzt, ebenso. Leiden auch die Füße unter den winterlichen Verhältnissen?

Kopera: Fußbekleidung soll der jeweiligen Witterung/Temperatur angepasst sein. Zu bedenken ist, dass der winterliche Weg zur Schule oder ins Büro anderes Schuhwerk erfordert als die Tätigkeit dort: Deshalb sollte an – der Raumtemperatur angepasste – Hausschuhe gedacht werden, um unnötige "Schweißfußzucht" zu vermeiden. Desodorierende Fußpflege-Cremes tragen dazu bei, die Haut der Fußsohlen und Zehenzwischenräume gesund und widerstandsfähig zu erhalten.

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  • Prof. Daisy Kopera leitet die Ambulanzen für Gesichtsdermatosen, Haarerkrankungen und Lasertherapie an der Univ.-Klinik für Dermatologie, Graz.
    foto: prof. kopera/netdoktor.at

    Prof. Daisy Kopera leitet die Ambulanzen für Gesichtsdermatosen, Haarerkrankungen und Lasertherapie an der Univ.-Klinik für Dermatologie, Graz.

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