Festnetzkunden finanzieren Handy-Netze überproportional

27. Dezember 2005, 09:34
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Analyse: Festnetz zahlt an Mobilfunk jährlich 195 Millionen Euro - Neuregulierung von Mobilfunk-Terminierungsentgelten läuft

Wien - Der Mobilfunkbereich wird durch die so genannten Mobilfunk-Terminierungsentgelte jährlich mit knapp 195 Mio. Euro von den Festnetzkunden quersubventioniert. Das hat das Beratungsunternehmen Kreutzer Fischer & Partner in einer aktuellen Analyse berechnet. Die Mobilfunk-Terminierung wird in Österreich derzeit neu reguliert und war zuletzt Gegenstand eines Handlungsaufforderung der EU an den heimischen Telekom-Regulator.

Der Telekom-Regulator plant derzeit bis 2012 eine schrittweise Vereinheitlichung und Absenkung der aktuell unterschiedlichen Mobilfunk-Terminierungsentgelte, die sich Telekombetreiber gegenseitig für die Zustellung von Gesprächen in die jeweiligen Mobilfunknetze verrechnen. Die EU hat nun aber auf eine schnellere Angleichung gedrängt.

Die asymmetrische Regulierung zu Gunsten der Mobiltelefonie in den vergangenen Jahren habe voll funktioniert, nun gelte es aber, die Hebel wieder auf Gleichstand zu setzen, meint der Berater. Festnetzanbieter wie Telekom Austria und Tele2/UTA haben laut Kreutzer Fischer & Partner heuer knapp 195 Mio. Euro an Handy-Terminierungsentgelten an die Mobilfunk-Betreiber überwiesen, die Mobilfunker an die Festnetzbetreiber hingegen nur 18 Mio. Euro.

Große Unterschiede bei Terminierungsentgelten

Grund dafür sind die großen Unterschiede bei den Terminierungsentgelten. Während die Mobilfunkbetreiber nur 1 Cent pro Minute für die Durchleitung eines Gesprächs an die Festnetzanbieter bezahlen müssen, werden in die Gegenrichtung zwischen 11 und 20 Cent in Rechnung gestellt. Hutchison erhält beispielsweise für jede Minute aus dem Festnetz knapp 20 Cent "Netzbenutzungsgebühr", One und Telering knapp 14 Cent, T-Mobile 13 Cent und die Mobilkom knapp 11 Cent. Dem Marktführer Mobilkom bringe dies jährlich einen Umsatz von rund 80 Mio. Euro, so der Berater.

Der Mobilfunk kannibalisiere immer stärker das Festnetz, die asymmetrische Regulierung sei daher "keineswegs mehr angebracht", meint Andreas Kreutzer von Kreutzer Fischer & Partner. Die Quersubventionierung habe auch einen sozialen Aspekt, zumal sie überproportional ältere und sozial schwächere Personen betreffe. Das Durchschnittsalter der österreichischen Bevölkerung liege bei 40,3 Jahren, der durchschnittliche Festnetzkunde sei aber 51 Jahre alt. Darüber hinaus seien die Investitionen im Festnetz in den nächsten Jahren mit einem Vielfachen derer in den Mobilfunk anzusetzen. (APA)

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