Ex-Kolonien fürchten um Handelsvorteile

19. Dezember 2005, 11:25
posten

AKP-Staaten drohen damit, WTO-Konferenz Scheitern zu lassen - Kritik aus Kamerun an geplanter Bananenmarktordnung

Hongkong - Die früheren europäischen Kolonien in Afrika, der Karibik und dem Pazifikraum (AKP-Staaten) fürchten, bei einer weiteren Liberalisierung des Welthandels ihre bisherigen Handelspräferenzen in Europa zu verlieren. "Präferenzen sind kein Privileg, sondern ein Recht", sagte der Agrarminister von Mauritius, The Hon Arvin Boolell, beim WTO-Gipfel in Hongkong und drohte damit, dass die kleinen Länder den Gipfel scheitern lassen könnten. Die EU gewährt den 79 AKP-Staaten einen bevorzugten Marktzugang. Jene fürchten eine "Präferenzerosion", wenn im Zuge der Marktliberalisierung die Zölle auch für alle anderen Länder sinken.

Zölle

Der Handelsminister von Kamerun, Luc Magloire Mbarga Atangana, kritisierte die Entscheidung der EU, den Einfuhrzoll für lateinamerikanische Bananen bis 1. Jänner auf 176 Euro je Tonne zu senken. "Die neue Bananenmarktordnung riskiert, zum endgültigen Tod der AKP-Bananen zu führen", sagte Atangana. Ähnlich äußerte sich der Außenminister der Karibikinsel Dominica, Charles Savarin: Die kleinen Inseln seien einfach nicht in der Lage, mit den multinationalen Bananenkonzernen in Mittel- und Südamerika zu konkurrieren.

Der Außenminister von Belize, Godfrey Smith, erinnerte an die Millenniumsziele der Vereinten Nationen zur Halbierung der weltweiten Armut bis 2015. Es sei ein Widerspruch, einerseits die Millenniumsziele zu beschwören und andererseits den Männern und Frauen in den AKP-Staaten ihr Sicherheitsnetz zu nehmen. Der Botschafter Benins bei der EU, Euloge Hinvi, bekräftigte die Forderung der Westafrikaner nach einem unverzüglichen Abbau der Baumwollsubventionen des Nordens. (APA/dpa)

Share if you care.