Zufriedenheit über hohe Wahlbeteiligung

19. Dezember 2005, 10:41
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Mehr als 70 Prozent gaben bei Parlamentswahl ihre Stimme ab - Amtliches Endergebnis soll in zwei Wochen vorliegen

Bagdad/Washington - Mehr als 70 Prozent der Wahlberechtigten sollen bei der irakischen Parlamentswahl ihre Stimme abgegeben haben. Der Vorsitzende der Wahlkommission, Farid Ayar, sagte gegenüber dem Nachrichtensender Al-Arabiya, etwa zehn bis elf Millionen Iraker hätten gewählt. Ayar warnte die Medien davor, den Berichten einzelner Parteien über Teilergebnisse Glauben zu schenken. Ein Al-Arabiya-Reporter in der Provinz Diyala berichtete, das Wahlbündnis von Ex-Regierungschef Iyad Allawi habe in Diyala sehr gut abgeschnitten.

Mit dem amtlichen Wahlergebnis wird erst in rund zwei Wochen gerechnet. Die Iraker hatten am Donnerstag erstmals seit dem Sturz des Regimes von Saddam Hussein im April 2003 ein Parlament für eine Legislaturperiode von vier Jahren gewählt.

"Große Freude"

Bush sagte während eines Termins mit jungen Irakern im Weißen Haus: "Was mich betrifft, herrscht große Freude." Der Irak habe damit einen bedeutsamen Meilenstein auf seinem Weg zur Demokratie zurückgelegt. Die Iraker hätten sich den Terroristen widersetzt und nicht einschüchtern lassen. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld nannte die Wahlen eine "historische Leistung", die den Irak zur "ersten wirklichen Demokratie in der arabischen Welt" mache.

Auch der britische Premierminister Tony Blair begrüßte den Verlauf der Wahl. "Es ist ein außergewöhnliches und erhebendes Gefühl, so viele Iraker bei der Wahrnehmung ihrer demokratischen Rechte zu sehen", sagte Blair am vor Beginn des EU-Gipfels in Brüssel. NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer verlieh seiner Hoffnung Ausdruck, dass diese Wahl "zum Wendepunkt für den Irak" werde. "Es gibt noch eine Menge zu tun, und wir sollten nicht erwarten, dass der Aufstand aufhört, weil es Wahlen gegeben hat", gab jedoch der Kommandant der US-Truppen im Irak, George Casey zu bedenken.

Anschläge am Wahltag

Am Wahltag war es nur vereinzelt zu Anschlägen gekommen. Erstmals gab es auch in den sunnitischen Widerstands-Hochburgen eine rege Wahlbeteiligung. Im Vergleich zu "normalen Tagen" im Irak verlief der Wahltag ruhig. Insgesamt vier Menschen wurden im Norden des Landes getötet.

Auch in Saddams Heimatstadt Tikrit sowie in Ramadi und anderen Hochburgen des sunnitischen Widerstandes, die sich an der Parlamentswahl vor elf Monaten noch nicht beteiligt hatten, herrschte diesmal großer Andrang in den Wahllokalen. Viele Wähler in diesen Regionen erklärten, sie hätten für eines der beiden Sunniten-Bündnissen gestimmt. (APA/AP/dpa/Reuters)

Die Wähler hatten 275 Abgeordnete aus 7.700 Kandidaten zu bestimmen. Im Unterschied zur Wahl im Jänner bildete diesmal jede der 18 Provinzen einen eigenen Wahlbezirk, was den Sunniten zu Gute kommt. Dort wurden 230 Parlamentsmandate vergeben, weitere 45 Sitze über Parteilisten. Ein Viertel der Sitze ist für Frauen reserviert. Das neue Parlament wurde für vier Jahre gewählt. Es soll eine neue Regierung sowie einen neuen Staatspräsidenten bestimmen.
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    Mitglied der unabhängigen Wahlkommission trägt die Urnen zum Auszählen in das Hauptquartier der Wahlkommission in Bagdad.

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