"Telekom-Anbieter, der über den Tellerrand geschaut hat"

23. Dezember 2005, 10:18
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Telekom- Austria-Vorstand Rudolf Fischer sieht die Zukunft seines Bereiches als Serviceprovider, der sich mit Breitbandtechnologie auch mit dem Mobilfunk matchen wird

Das klassische Festnetz gerät von immer mehr Seiten unter Druck. Mobilfunkkommunikation auf der einen, Voice over IP (VoIP), also Telefonie über das Internet, auf der anderen Seite. Für Rudolf Fischer, Festnetzvorstand der Telekom Austria, kein Grund zur Agonie. "Es stimmt, dass das Festnetz in seiner klassischen Form, sprich Sprachtelefonie, sukzessive verschwinden wird", sagt er im Gespräch mit dem STANDARD.

Ob 2010, 2015 oder 2018, das hängt davon ab, wie schnell sich weltweit die Entwicklung zum All-IP-Netz für multimediale Dienste vollzieht."

Doch einerseits sicher nicht so schnell wie derzeit prognostiziert werde (einige Telekom-Experten nennen bereits das Jahr 2010, Anm.), andererseits entstehe gerade ein ganz anders geartetes Festnetz mit dem hohem Potenzial der Breitbandkommunikation. "Ob 2010, 2015 oder 2018, das hängt davon ab, wie schnell sich weltweit die Entwicklung zum All-IP-Netz für multimediale Dienste vollzieht." Vom generellen "Sterben des Festnetzes" könne jedoch nicht die Rede sein. "Man darf auch nicht vergessen, dass weltweit viel Kapital in der Festnetzinfrastruktur steckt, und Verzicht darauf wäre einerseits ein Verbrechen und andererseits ein ökonomischer Wahnsinn", argumentiert Fischer.

Migrationsprozess

Die Telekommunikation im Festnetz befinde sich in einem Migrationsprozess. Das Festnetz von morgen, an dem heute schon gebaut werde, biete viel mehr Möglichkeiten als die Übertragung von Sprache: "Bilder, Fernsehen, Video", zählt Fischer als Beispiele auf.

Voraussetzung dafür seien natürlich Investitionen im Access-Bereich mit Glasfaser. Die Vorwürfe der Konkurrenz, die Telekom Austria wolle damit ein neues Monopol aufbauen, weist er zurück. "Wir agieren in einem wirtschaftlichen Umfeld. Wenn Investitionen getätigt werden, wollen unsere Investoren davon natürlich etwas haben", meint er. Schließlich nehme man dafür mehrere hundert Millionen Euro in die Hand. "Sicher gibt es Überlegungen, dass wir uns für ein paar Jahre einen regulierungsfreien Raum wünschen", gibt Fischer zu.

Serviceprovider der Zukunft

Die Festnetzherausforderung für die Telekom Austria heiße, zu einem Serviceprovider der Zukunft zu werden, was auf der gerade neu gestalteten Plattform www.aon.at schon demonstriert werde. Mit einfach bedienbaren Musik-, Spiele-, Softwaredownloads, Blogs, Fotocenter, E-Mail und SMS-Angeboten etc.

In der privaten Internettelefonie sieht Fischer wenig Bedrohungspotenzial für "sein" Festnetz: "VoIP ist eine lustige Technologie, aus der Spielfaktoren wie Skype einen Hype gemacht haben. Klar wird das in Zukunft ein Thema sein, doch künftige IP-Themen sehen eben anders aus."

Mobil

Dass die Sprachtelefonie sich weiter ins Mobilfunknetz verlagern wird, trübt seinen Zukunftsblick ebenfalls so wenig, wie die HSDPA-Technologie (High Speed Downlink Pocket Access), die mobiles Internet mit Festnetzqualität verspricht. "Alles wunderbar, aber eine Übertragungsrate von 50 Megabit pro Sekunde von Kunde zu Kunde wird nicht funktionieren."

"Unser Ziel ist es, der Telekom-Anbieter zu sein, der über den Tellerrand geschaut hat und mit einer breiten Produktpalette auftritt", heißt die Marschrichtung für Fischer. (Karin Tzschentke, DER STANDARD Printausgabe 16. Dezember 2005)

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