Salzburger Radiofabrik bekommt 300.000 Euro von der EU

27. Dezember 2005, 16:51
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Radiosender in sieben Projekten zu Themen wie "Medienpädagogik", "Mozart" und "sexueller Missbrauch" engagiert

"Es geht uns gut, wir wollen mehr", mit diesen Worten gab der Geschäftsführer der Salzburger Radiofabrik, Wolfgang Hirner, sein Budget für 2006 bekannt. Hirner freut sich über einen wahren Geldregen, den die EU über den alternativen Sender und eine Reihe von Partner-Organisationen für insgesamt sieben überregionale Projekte ausgeschüttet hat. Allein 300.000 Euro für 2006 stammen aus EU-Töpfen und fetten das Gesamtbudget des Senders auf insgesamt 420.000 Euro auf.

Verdoppelung des Gesamtbudgets

Für ein alternatives Radio, das im Jahr 1998 mit wenigen Stunden Sendezeit und einem Budget von 5.700 Euro begonnen hat, sei die Verdoppelung des Gesamtbudgets von 2005 auf 2006 kein Zufallstreffer, wie Hirner erläuterte: "Wir haben anfangs bis zu 200 Stunden an einem Antrag nach Brüssel gearbeitet, mittlerweile schaffen wir es in rund 60 Stunden. Jetzt kennen uns die Beamten bereits und laden uns ihrerseits ein, an Projekten teilzunehmen. Ich glaube, dieses Förderungsmodell ist für alle Salzburger Kulturinstitutionen wegweisend, gerade für die Kleinen."

Problem regionale Kofinanzierung

"Allerdings werden wir im Moment von unserem eigenen Erfolg gebremst", so der Radiomann. "Denn die EU verlangt regionale Kofinanzierungen bis zu 50 Prozent. Unser Budget besteht aber nur zu rund 25 Prozent aus regionalem Geld. Wenn wir nicht noch 35.000 Euro auftreiben, kann es passieren, dass wir deshalb bis zu 100.000 Euro an bereits überwiesenem Geld an Brüssel zurückzahlen müssen", sagte Hirner und forderte von Stadt und Land, dafür einzuspringen, "obwohl wir noch mehr Geld ehrlich gesagt im Moment gar nicht brauchen."

Rund 70.000 Euro sollen in ein "EuRegio Medienzentrum Salzburg" investiert werden, in dem die Radiofabrik medienpädagogische Workshops und Kurse in Salzburg, Traunstein und im Berchtesgadner Land organisieren will. Für 78.000 Euro sollen sich Jugendliche in mehreren Partnerstädten als Reporter betätigen und über das Mozartjahr 2006 berichten. Eine Informationskampagne zum Thema sexueller Missbrauch soll mit 92.000 Euro ausgestattet werden, und für 23.000 Euro werden Arbeitslose über Friedenspolitik, Integration, Datenschutz, Soziales und Solidarität mit einem Partner, der Straßenzeitung Apropos, im Radio reden. Drei weitere, internationale Projekte, bei denen die Radiofabrik Partner ist, sind ebenfalls von der EU genehmigt und finanziert worden. (APA)

Die Radiofabrik besteht aus vier angestellten Mitarbeitern, im kommenden Jahr sollen es sechs werden. Dazu kommen vier Teilzeit-Beschäftigte sowie Honorar-Mitarbeiter. Der Hauptteil des Programmes wird von 250 ehrenamtlichen Sendungsmachern produziert, die einen Mitgliedsbeitrag im Verein Radiofabrik von 35 Euro bezahlen. Die Radiofabrik versteht sich als Sender für unzensierten Bürger-Journalismus mit größtmöglicher Meinungsvielfalt.
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