"Vom Aasgeier zur Zimtzicke"

17. Dezember 2005, 14:00
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Germanistin Oksana Havryliv arbeitet an einem Deutsch-Ukrainischen Schimpfwörterlexikon

Wien - Den Schatz an typisch Wienerischen Schimpfwörtern möchte die aus Lemberg (Ukraine) stammende Germanistin Oksana Havryliv nun erstmals systematisch-wissenschaftlich durchleuchten. Die Dozentin der Nationalen Ivan Franko Universität Lviv gilt als Expertin für Schimpfwörter, ihr jüngstes Werk ist ein Deutsch-Ukrainisches Schimpfwörterlexikon - "vom Aasgeier bis zur Zimtzicke". Die nun beginnenden Arbeiten am Institut für Germanistik der Uni Wien werden vom Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) unterstützt, berichtet der Forschungsnewsletter der Universität.

Entgegen oft geäußerten Behauptungen glaubt Havryliv nicht, dass Österreicher und im Speziellen Wiener besonders viel schimpfen. "Sie tun dies aber besonders kreativ und witzig", so die Germanistin. Als Ursache dafür sieht sie die Rolle Wiens als Schnittpunkt verschiedener Nationalitäten, "wo der Alltag viele potenzielle Konfliktsituationen liefert". Etwa 90 Prozent aggressiven Verhaltens sind verbaler Natur.

Geplante Tests

Die Forscherin plant, Testpersonen aus verschiedenen sozialen Schichten unter die Lupe zu nehmen und letztendlich eine Typologie von Streitgesprächen und deren Mitwirkenden zu erstellen. Im Mittelpunkt werden auch Fragen nach den sozialen Faktoren und individuellen Merkmalen stehen, welche die verbale Aggression beeinflussen.

Wissenschaftliche Forschungen über Schimpfen und Schimpfwörter gleichsam direkt an der Quelle wurden laut Havryliv bisher nicht angestellt, wenngleich viel populärwissenschaftliche und Unterhaltungsliteratur zu diesem Thema existiert. Sie selbst, habe sich bisher für ihre Arbeiten etwa literarischen Bezugsquellen bedient, so H. C. Artmann, Thomas Bernhard oder Werner Schwab. (APA)

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