Kaviar-Schmuggel gefährdet Überleben vieler Stör-Arten

21. Dezember 2005, 19:00
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WWF und Traffic: Rückgang des legalen Handels - EU-Raum mit illegaler Ware überschwemmt

Wien/Gland - Der EU-Raum ist weltweit der größte Importeur für Kaviar. Europa werde laut WWF besonders in der Weihnachtszeit mit geschmuggelten Fischeiern überschwemmt. "Zwischen 2000 und 2005 wurden in der EU zwölf Tonnen illegal gehandelter Stör-Kaviar beschlagnahmt", teilte die Umweltschutzorganisation in einer Aussendung mit. In Österreich sind von 1999 bis 2004 rund 520 Kilogramm sicher gestellt worden. Die Dunkelziffer liege überall weit höher.

Der Handel mit den teuren Fischeiern wird vom Washingtoner Artenschutzabkommen Cites geregelt. Er ist genehmigungspflichtig oder gänzlich verboten. Nur weniger als 250 Gramm dürfen ohne Bewilligung in die EU eingeführt werden. Die UN-Behörde mit Sitz in Genf verhängt jährliche Quoten, die im vergangenen Jahr auf etwa 120 Tonnen gesenkt wurde. Während der legale Handel zwischen 1998 und 2003 um 70 Prozent zurückgegangen sei, habe der steigende illegale Verkauf die Lücke sehr wahrscheinlich gefüllt, erklärten der World Wide Fund for Nature und Traffic.

Beschlagnahmen

Bei den Beschlagnahmen seit 2000 stehe Deutschland mit 2.224 Kilogramm an der Spitze, gefolgt von der Schweiz (2.067), den Niederlanden (1.920), Polen (1.841) und Großbritannien (1.587), berichtete der World Wide Fund for Nature. Im Jahr 2004 wurden in Österreich lediglich vier Kilogramm geschmuggelter Kaviar bemerkt, 2003 in einem einzigen Fall 100 Kilo. Die Dunkelziffer liege weit höher. "Gelangt der Kaviar einmal in die EU, wird kaum mehr kontrolliert - die Spur des Geschmuggelten verliert sich", kritisierte Jutta Jahrl vom WWF. Was in Autos über die Grenze nach Österreich gebracht werde, könne nicht registriert werden. "Die Kontrollen müssen auch abseits der Flughäfen erhöht werden", forderte die Artenschutzexpertin.

Viele europäische Regierungen hätten die Cites-Empfehlungen zur Kennzeichnung des Kaviars nicht vollständig umgesetzt. Der Verbraucher könne nur schwer zwischen legal importierten und eingeschmuggelten "Schwarzem Gold" unterscheiden. Eine Besserung der Situation erhofft sich die Umweltschutzorganisation von einem verschärften Gesetz zur Kennzeichnung der Fischeier, das im Frühjahr 2006 in allen EU-Ländern in Kraft treten soll. Der WWF kritisierte, dass Störe durch Überfischung und Handel bedroht seien. Die Hälfte der 27 Arten sei gefährdet, zwei davon beinahe ausgestorben. (APA)

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WWF
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    In Österreich sind von 1999 bis 2004 rund 520 Kilogramm an geschmuggeltem Kaviar sicher gestellt worden.

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