Homosexuelle Priester protestieren gegen Vatikan

15. Dezember 2005, 11:00
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Offener Brief mit fünfzig Unterschriften gegen Richtlinien für schwule Seminaristen

Rom - Eine Gruppe von zirka fünfzig homosexuellen Priestern hat in einem Offenen Brief an den Vatikan gegen das umstrittene Dokument über homosexuelle Priesteramtskandidaten protestiert. In dem Brief an den Präfekten der Kongregation für katholische Bildung, Kardinal Zenon Grocholewski, betonten die Priester, dass ihre homosexuellen Tendenzen sie nicht daran gehindert hätten, "gute Priester zu sein". "Wir fühlen uns als verlassene und nicht geliebte Kinder der Kirche", schrieben die Priester, die sich zur Anonymität gezwungen erklärten.

Keuschheit leben

"Homosexuelle Tendenzen zu haben, bedeutet keineswegs pädophil zu sein. Auch nur die Idee, gelegentlich für Pädophile gehalten zu werden, ist für uns unerträglich", hieß es im Brief. Homosexualität führe keineswegs zu verzerrten Beziehungen zu Männern und Frauen. "Homosexuelle Priester haben keine größere Schwierigkeiten als heterosexuelle Priester, ihre Keuschheit zu leben", hieß es.

Umstrittene Bestimmungen des Dokuments

Das im November veröffentlichte Dokument mit dem Titel "Instruktion zu den Kriterien zur Unterscheidung von Berufungen bei Personen mit homosexuellen Tendenzen hinsichtlich ihrer Zulassung zum Seminar und zu Weiheämtern" enthält Richtlinien für die Zulassung Homosexueller zur Priesterweihe.

Die Kirche könne "jene nicht für das Priesterseminar und zu den heiligen Weihen zulassen, die Homosexualität praktizieren, tiefsitzende homosexuelle Tendenzen haben oder eine so genannte homosexuelle Kultur unterstützen", heißt es in dem achtseitigen Papier.

Männer mit homosexuellen Tendenzen, die nicht seit mindestens drei Jahren keusch leben, sollen dem Dokument zufolge künftig nicht mehr zu Priestern geweiht werden. Das Dokument löste weltweit scharfe Reaktionen aus. (APA)

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