Fatah vor der Spaltung - Schwerer Rückschlag für Abbas

18. Dezember 2005, 10:43
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Barghouti mit eigener Kandidatenliste bei Parlamentswahl - Verletzte bei Luftangriffen im Gazastreifen

Gaza - Zerreißprobe für die Fatah des palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas: Wie der Vorsitzende der Parteijugend, Kadura Fares, am Mittwochabend mitteilte, tritt die Fatah bei der Parlamentswahl am 25. Jänner mit zwei Kandidatenlisten an. Demnach erstellte die junge Garde um den in Israel inhaftierten Marwan Barghouti eine eigene Liste. Die Anhänger von Abbas präsentierten ihrerseits eine Wahlliste und äußerten zugleich die Hoffnung, dass die Spaltung der größten palästinensischen Partei noch vermieden werden könne. Unterdessen flog Israel neue Luftangriffe auf den Gazastreifen.

Kandidatenliste "Die Zukunft"

Die Frau Barghoutis legte am Mittwochabend kurz vor Fristablauf in der Wahlzentrale der Fatah eine Kandidatenliste mit der Bezeichnung "Die Zukunft" vor. Der Gruppierung würden auch der bisherige palästinensische Minister für Zivilverwaltung, Mohammed Dahlan, und der Sicherheitschef Jibril Rajoub angehören, hieß es nach Angaben aus palästinensischen Kreisen in Ramallah. Barghouti, der zu lebenslanger Haft verurteilt ist, hat die Vorwahlen der Fatah im Westjordanland gewonnen und daraufhin den Spitzenplatz auf der Parteiliste beansprucht.

Der Machtkampf in der Fatah zwischen der alten Elite um Abbas und der jungen Garde um Barghouti schwelt schon seit langem. Nach gewaltsamen Störungen der Vorwahlen hatte Abbas angekündigt, er werde die Kandidaten für seine Wahlliste ernennen. Damit hatte er den Zorn der Parteijugend auf sich gezogen.

Abbas und Barghouti wollen Fatah-Spaltung verhindern

Der palästinensische Außenminister Nasser al-Kidwa betonte, Barghouti stehe auch auf der offiziellen Parteiliste ganz oben. An zweiter Stelle kandidiere ein weiterer Häftling, erst dann folgten drei Mitglieder der alten Garde. Berater von Abbas erklärten, der Präsident und Barghouti hätten sich in einem Telefongespräch darauf verständigt, die drohende Spaltung der Fatah zu verhindern. Eine Entscheidung werde noch heute erwartet. Eine Spaltung der Fatah würde Beobachtern zufolge vor allem der radikalislamischen Terrororganisation Hamas zu Gute kommen.

Unterdessen flog Israel neue Luftangriffe im Gazastreifen. Auch die Artillerie war in der Nacht auf Donnerstag im Einsatz. Beschossen wurden Ziele im Norden des Autonomiegebiets, von wo aus militante Palästinenser wiederholt Raketen auf israelisches Territorium abgefeuert haben. Nach Angaben von Augenzeugen wurden zwei Palästinenser leicht verwundet.

Ebenfalls im nördlichen Gazastreifen beschoss die Luftwaffe das Haus eines mutmaßlichen Extremisten. Amar Karmut von der Gruppe Volkswiderstandskomitee blieb unversehrt, doch wurde ein Verwandter in dem Haus verletzt, wie Augenzeugen berichteten.

Im südlichen Gazastreifen bombardierte die israelische Luftwaffe ein Haus in Rafah, in dem sich ein Büro des Islamischen Jihads befand. Anwohnern zufolge stand dieses zum Zeitpunkt des Angriffs jedoch leer, so dass niemand verletzt wurde. Die israelischen Streitkräfte bestätigten den Einsatz.

Am Mittwoch hatte Israel zwei Mal die Fahrzeuge mutmaßlicher Extremisten im Gazastreifen aus der Luft beschossen. Beim ersten Angriff wurden vier Palästinenser getötet und vier weitere verletzt. Beim zweiten Luftangriff nach Einbruch der Dunkelheit wurde ein Sprecher des Islamischen Jihads verwundet. (APA/AP/dpa)

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    Schwerer Rückschlag für Abbas: Fatah droht Spaltung

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