Freispruch für Olympiasieger Wolfgang Schwarz

20. Dezember 2005, 08:56
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Diesmal vom Vorwurf des Menschenhandels freigesprochen - Wegen Verdachts auf versuchte Entführung weiter in U-Haft

Wien - Es gibt die Welt, es gibt die Halbwelt und es gibt Wolfgang Schwarz. Der dümpelt irgendwo dazwischen herum und dreht dort stümperhafte Pirouetten. Manchmal bricht das dünne Eis zur Ungesetzlichkeit, diesmal hält es. Der Olympiasieger 1968 wird 37 Jahre später von der Anklage des versuchten Menschenhandels und der Zuhälterei freigesprochen.

"Hat sich bei Ihnen was geändert?", fragt die Richterin. (Außer dass Gletscherbrille und Baseballmütze fehlen.) "Ja, ich bin in U-Haft", erwidert Schwarz, scheinbar erleichtert. "Das ist mir bekannt", sagt die Richterin. Es gibt da einen blöden Vorfall, der in Juristenkreisen "entführerische Erpressung" genannt wird. (Bei Schwarz kommt automatisch das Wörtchen "versucht" dazu. Gelungen ist ihm diesbezüglich noch nie etwas.) Er steht unter Verdacht, sich bemüht zu haben, eine 18-jährige rumänische Millionärstochter zu entführen. Dem Rumänen, den er dafür angeheuert hatte, fiel nichts Besseres ein, als den Vater des Opfers einzuweihen. Plötzlich wollte auch er seine Tochter entführen, aber nur zum Schein. Schwarz glaubte es und versprach beiden je 1,5 Millionen Euro, je die Hälfte vom geplanten Lösegeld. "Wenn das stimmt, wäre Schwarz leer ausgegangen", errechnet sein Anwalt Herbert Eichenseder. Aus diesem Grund hat er ein psychiatrisches Gutachten über die Dichtheit des Geistes seines Mandanten beantragt.

Hang zu Litauerinnen

Im Dezember 2002 war der Eiskunstläufer wegen grenzüberschreitenden Mädchenhandels zu eineinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Damals wollte er jungen Litauerinnen, die er per Bus nach Wien hatte holen lassen, den Weg nach oben ebnen - von den Kellerbars in die Hotelzimmer der Freier. Aber die Rotlichtszene fand die zuhälterischen Bemühungen des Olympiasiegers eher lächerlich und servierte ihn relativ kühl ab.

Nach der Haft zog es Schwarz geschäftsgedanklich abermals nach Litauen. Und tatsächlich kam er noch einmal in den Genuss, Wienbegleiter zweier junger Peepshow-Aspirantinnen zu werden. Herr Alex, ein Profi auf dem Gebiete des Bordells, will noch gewarnt haben: "Schau her, Wolferl, die Madln wolln net, die wollen nur Gogo tanzen, lass s' in Ruah!" Aber Schwarz rückte nicht von ihnen ab, führte sie ins Solarium aus und suchte horizontale Arbeitsplätze. Da informierte Alex einen befreundeten Polizisten.

Rasa und Loretta, die Litauerinnen, verweigerten sich Schwarz freilich erfolgreich und gingen, als hätten sie es ihm zu Fleiß gemacht, erst nachher der Prostitution nach. Mittlerweile sind sie Mütter von Babys und wollen mit der Sache Schwarz nichts zu tun haben. So darf der gealterte Eiskunstläufer im Zweifel freigesprochen werden. (Daniel Glattauer, DER STANDARD - Printausgabe, 16. Dezember 2005)

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    Wolfgang Schwarz

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