Schlangengruben und Steigbügel

20. Dezember 2005, 20:09
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Frauen, die es zu weit bringen, haben zu 70 Prozent zu dicke Wadeln

Diese Kolumne ist eine Schlangengrube. Hier werden Sie nachhaltig vergiftet. Aber Sie werden es mir danken, weil ich sie vor anderen jahreszeitlich bedingten Vergiftungen gewarnt habe. Jetzt ist Schlangengruben-Saison, weil die Kälte und, um mit Heidegger zu sprechen, die Geworfenheit des Menschen in vorweihnachtliche Jahresendpanik die ideale Bedingung schafft, die eigene Lage nachhaltig zu verschlechtern, indem man dem Selbstbetrug frönt, menschliche Gemeinschaft sei wärmend.

1. Meiden Sie Buchhandlungen. Dort lauern Bücher, die behaupten, Frauen können ohne Familie und mit Falten glücklich sein und guten Sex haben. Diese Bücher wollen nur eines: Ihr Geld und das Glück der Autorin. Wenn Sie sich nur mit einem dieser Patentrezepte auseinander setzen, ist eine Bindegewebserschlaffung nicht mehr aufzuhalten.

2. Keine Kunst-Events - weder coole noch staatstragende Künstler. Kurzfristig glauben Sie, man akzeptiere Sie so, wie sie sind. Nach drei Achteln erkennen Sie sich als ehrgeizzerfressenen Versager in einer Horde eitler Hofschranzen.

3. Schlangengruben heißen heute Netzwerk. Frauen-Netzwerke dienen dazu, vielen Frauen Komplexe einzutrichtern, damit sie wenigen Frauen die Steigbügel halten, damit diese immer mächtiger werden. Das darf nicht sein, weil Frauen, die es weit bringen, haben zu 70 Prozent zu dicke Wadeln. Womit sie zugeben, dass sie in ihrer Kontrollsucht nicht alles unter Kontrolle haben, zumindest nicht ihre Ess- und Trinkgewohnheiten. Wer will solche Leute als Vorbild? Mein Vorbild sind Russinnen. Russinnen sind sich jede Sekunde bewusst, dass sie in Schlangengruben wandeln, und da hat man nur wenige Verbündete: Tom Ford, Marc Jacobs und strenge Diät.

Deshalb 4. : niemals zu gesetzten Essen. Ihr Tischherr wird Sie dermaßen mit durchschaubaren Höflichkeiten überschütten, dass Sie Ihrerseits die miserabelsten Weine in sich hineinschütten, um die Leere zu füllen. 5. Kaufen Sie sich ein exzentrisches Cocktailkleid, bleiben Sie zu Hause und schreiben Sie absurde Briefe ans Christkind.
Ihre Cosima Reif, Zufallskolumnistin
(Der Standard/rondo/16/12/2005)

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