Aktien unterm Weihnachtsbaum

21. Dezember 2005, 14:47
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Nach der vergangenen, dreijährigen Aktienhausse könnte man doch Familie, Verwandtschaft und Freunde mit purem Kapitalismus verwöhnen

Die Vorweihnachtszeit bedeutet oft einfach nur Stress. November und Dezember sind meist statt der "ruhigen" eine sehr "hektische" Zeit. Neben vielen Terminen zum Punschtrinken und Einladungen für Weihnachtsfeiern plagt viele von uns die quälende Frage nach den passenden Weihnachtsgeschenken. Oft steht am Ende ein einfallsloses Geldgeschenk.

Es gibt aber eine interessante Alternative: Mit ein bisschen Geduld und Einfühlungsvermögen findet sich für fast jedermann und jede Frau ein geeignetes Geschenk in Aktienform.

In der Folge einige Beispiele mit Schwerpunkt auf dem heimischen Aktienmarkt:

  • Für die Hausfrau: Im Fall der holden Gattin fällt die Wahl wirklich ganz leicht. Der im Aussterben begriffene eher häusliche Typ wird mit Agrana verwöhnt. Die Assoziation von den weihnachtlichen Vanillekipferln mit "Finis Feinstes" kann sogleich aufleben.

    Die größere Zahl an Frauen wird aber wahrscheinlich eine Aktie von Wolford bevorzugen. Ein Kombipäckchen aus Aktie und Lingeriewaren unter dem Christbaum bietet sich an. Wolford als Inbegriff des lasziven Luxus verspricht auch dem schenkenden Ehemann in Form von attraktiven Geschäftsberichten etwas Zerstreuung.

  • Für den Ehemann: Sie schenkt ihm, sofern sie eher einfallslos ist, eine Beate-Uhse-Aktie. Wenn sie allerdings auch ein bisschen auf seine übrigen Hobbys eingehen will, so bietet sich für den Liebhaber des Gerstensaftes etwa die Heineken-Aktie an, die ja auch die heimische BBAG samt deren Biermarken wie Gösser oder Puntigamer übernommen hat. Für den Karrieretyp, der viel unterwegs ist und oft fliegt, würde eine Flughafen-Wien-Aktie recht gut passen.

  • Für die lieben Kinder: Kinder sind die Zukunft, und bei Geschenken für sie hat man auch die Zukunft im Blickpunkt. Allerdings kommt es auf die Interpretation der Zukunft an, welche Aktien man auswählen wird.

    Wer an die Hightech-Zukunft glaubt, ist bei viel telefonierenden Kindern beim Leiterplattenhersteller AT&S gut aufgehoben. Wer eher an Grund und Boden samt Hausbau und Familiengründung denkt, der wird Wienerberger kaufen. Eltern, die eher kurzfristig denken, werden aufgrund der Schwäche des Sprösslings für trendigen Kaffee und Süßes auch Starbucks in Erwägung ziehen.

  • Für die "böse" Schwiegermutter: Sie steht tief in der Gunst der Schenkenden und soll es nicht leicht haben mit ihrem Geschenk. Um ihre Nerven dauerhaft zu belasten, ist ein enger Titel aus dem Standard Market Auction, wo die andauernden Ups und Downs täglich einiges aufzulösen geben, zu bevorzugen.

  • Für die lieben Großeltern: Sie werden, als Aufbaugeneration, an "handfesten" Dingen interessiert sein. Es bieten sich seit Langem notierte und bekannte Unternehmen an. Aus der Bauwirtschaft etwa Porr, aber auch Aktien von Voest-Sprösslingen wie Voestalpine oder Böhler-Uddeholm sind passend.

  • Für das Schwesterherz: Sie befindet sich seit nunmehr vielen Jahren auf dem Öko-Trip. Nach dem Bau ihres Biohauses hat sie jetzt auch ihre Ernährung umgestellt - und bekommt merkwürdigerweise viel seltener Besuch. Für sie bieten sich Aktien mit Ökocharakter an. Ein Erwerb von BWT-Best Water Technology oder auch vom umweltfreundlichen Verpackungslieferanten Mayr-Melnhof steht zur Disposition.

  • Für das Brüderlein: Er glaubt an Zahlen, Geld und Wirtschaftswachstum. Daher sind für ihn Bankaktien mit Ostfantasie erste Wahl. Erste Bank und Raiffeisen International sind ein Thema.

  • Für den Onkel: Nachdem er schon immer ein Energiebündel der Extraklasse war, bekommt er - als Niederösterreicher - EVN Aktien. Aber Vorsicht: Sollte er diese schon besitzen, was bei der geringen Zahl österreichischer Aktienbesitzer allerdings unwahrscheinlich erscheint, stehen auch Verbund mit einigen Kraftwerken in Niederösterreich zur Verfügung.

  • Für den Neffen: Der mittlerweile in der Pubertät befindliche Neffe hatte schon als kleines Kind einen Berufswunsch, dem er bis heute treu geblieben ist: Er will Feuerwehrmann werden. In diesem Fall bieten sich wohl nur Rosenbauer-Aktien an.

  • Für den Taufpaten: Der zielstrebige Geschäftsmann wechselt oft die Branche und ist dabei bisher sehr erfolgreich. Er operiert im In- und Ausland. Für ihn ist es wichtig, immer die richtige Abzweigung auf dem Weg zum Erfolg zu erwischen und sich dabei trotzdem abzusichern. Die optimale Aktie für ihn sind Versicherungspapiere. Uniqa oder Wiener Städtische, beide international erfolgreiche Papiere mit einem gut abgesicherten Portfolio.

  • Für den Schulfreund: Sein Leben sind Autos. Mittlerweile hat er schon fünf Stück davon. Alle garagengepflegt - versteht sich. Die Auswahl an möglichen Aktien ist gar nicht so klein. Autonarren wie er steigern den Benzinverbrauch. Er selbst würde also beispielsweise über das Geschenk von OMV indirekt in seine eigene Tasche arbeiten (viel Auto fahren - höherer Benzinabsatz - höherer OMV-Gewinn).

  • Für die Nachbarin: Diese ist Grafikerin. Sie entwirft Designs für Markenartikel. Sofern man bei ihr nicht auf internationale Markenartikelhersteller wie Nestlé oder Unilever zurückgreifen will, gäbe es auch österreichische Alternativen. Sieht man nicht nur das Produkt, sondern auch das Material rundherum, so kommt man zur Verpackung. Daher passt hier Constantia Packaging.

  • Für den Tennispartner: Der Sportsfreund ist Aussteiger und Biobauer geworden. Er konzentriert sich aufgrund und Boden. Daher könnten für ihn Immobilienaktien ein Thema sein. Immofinanz oder, sofern er auch die Ländereien im Osten schätzt, Immoeast bieten sich an.

  • Für den Big Boss: Mit dem Chef verbindet eine Zusammenarbeit - manchmal angenehmer, manchmal weniger angenehm. Auf Basis der Qualitäten des Einzelnen erringt man gemeinsam Erfolg (hoffentlich). Dieses "1+1=2,5"-Prinzip erinnert an die Netzwerkphilosophie eines Anlagenbauers wie in der Andritz-Gruppe. Karl bekommt also Aktien von Andritz.

  • Für die Chefsekretärin: Sie ist allseits sehr beliebt und hat viele Kontakte, die sie auch regelmäßig pflegen muss. Daher ist sie nicht nur ein guter Kunde ihrer Handybetreibergesellschaft, auch das Festnetz ist ihr nicht fremd und ein wichtiger Bestandteil ihrer täglichen Arbeit. Dolly bekommt daher Aktien von der Telekom Austria. (Wolfgang Pinner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.12.2005)
  • In der Vorweihnachtszeit suchen viele das richtige Geschenk für ihre Lieben. Neben den Klassikern wie Krawatten oder Socken könnten auch Aktien unterm Weihnachtsbaum liegen.
    foto: der standard/corn

    In der Vorweihnachtszeit suchen viele das richtige Geschenk für ihre Lieben. Neben den Klassikern wie Krawatten oder Socken könnten auch Aktien unterm Weihnachtsbaum liegen.

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