Zementbranche erwägt Ofenabschaltung

21. Dezember 2005, 14:09
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Lafarge-Manager Orisich: "Wenn CO2-Zertifikatpreis steigt, importieren wir aus Serbien"

Wien - Die österreichische Zementindustrie, die dank der guten Baukonjunktur derzeit mit einer starken Nachfrage konfrontiert ist, überlegt dennoch ein zeitweises Stilllegen von Brennöfen. Grund ist die Preisentwicklung bei den Ausstoßrechten für Kohlendioxid (CO2), das bei der Zementerzeugung großteils produktionsbedingt entsteht.

"Wenn der Preis für CO2-Zertifikate weiter steigt und eine kritische Grenze überspringt, legen wir Öfen still und importieren den Zement aus unseren Werken in Serbien oder Rumänien. Das rechnet sich sonst betriebswirtschaftlich nicht", sagte Peter Orisich, Generaldirektor von Österreichs größtem Zementhersteller, Lafarge Perlmooser.

Preise verdreifacht

Seit Beginn des EU-weiten Handels mit CO2-Zertifikaten Anfang des Jahres haben sich die Preise zeitweise verdreifacht. An den darauf spezialisierten Börsen werden die Zertifikate derzeit um rund 23 Euro je Stück gehandelt. Serbien nimmt nicht am Emissionshandel teil, das vor der Aufnahme in die EU stehende Rumänien auch noch nicht.

Jedes der Zertifikate, die den Industrieunternehmen und Energieversorgern aufgrund von Emissionsschätzungen in unterschiedlichem Ausmaß gratis zugeteilt wurden, berechtigt zum Ausstoß von einer Tonne CO2.

Die Zementindustrie, die kaum Möglichkeiten zur Verringerung des Klima schädigenden CO2 sieht, möchte bei der nächsten Gratiszuteilung im Jahr 2008 jedenfalls deutlich besser bedient werden.

"Eine Wachstumskomponente muss berücksichtigt werden", sagte Orisich, der auch Präsident des Branchenverbandes VÖZ ist. Kritisch äußerte sich Orisich auch zum Strom. Die Verdoppelung der Stromkosten seit 2000 belaste die energieintensiv arbeitende Zementbranche mit jährlich 13 bis 15 Mio. Euro - etwa fünf Prozent des Umsatzes. (stro, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.12.2005)

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