Bodenvasen für Übersee

14. Dezember 2005, 19:39
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Blumengefäße von Leopold Forstner bei der Jugendstilauktion "im kinsky"

In der Nassoase eines Penthouses mit Blick über die New Yorker Skyline kann man sich die beiden Jugendstil-Vasen ebenso gut vorstellen wie im Entree eines Hampton-Strandhauses oder auf der Terrasse einer Palm-Beach-Residenz. Auf 12.000 Euro - statt taxierter 2500 bis 4000 Euro - belief sich das Meistbot eines Amerikaners (Kaufpreis 16.560) für die beiden im Rahmen der Jugendstilauktion "im kinsky" am 23. November versteigerten Bodenvasen. Diese Nachfrage verdient einen zweiten Blick, auch wenn der Kunstmarkt und hier Zuschläge im Bereich angewandter Kunst eine eher dünne Bilanz liefern. Der jüngste Eintrag stammt vom November 2003, als ebenfalls "im Kinsky" eine 1910 ausgeführte Mosaikplatte für 9000 Euro den Besitzer wechselte.

Die aktuell angebotenen, mit Mosaik aus farbigem Glas verzierten Blumengefäße wurden von den Experten Leopold Forstner (1878-1936) zugeschrieben und um 1905 datiert. Basis dafür waren die vergleichbaren, den Stiegenaufgang der Secession schmückenden Schalen, die ebenfalls von ihm ausgeführt wurden.

Im Anschluss an den Besuch der Staatshandwerksschule in Linz absolvierte Forstner die Wiener Kunstgewerbeschule. Zu seinem berühmtesten Werk zählt fraglos das nach Entwürfen von Gustav Klimt in eineinhalbjähriger Arbeit für den Speisesaal des Palais Stoclet gefertigte und im Herbst 1911 nach Brüssel transportierten Fries.

Glaubt man Kalkulationen der zeitgenössischen Presse, so beliefen sich allein die Materialkosten für diesen Wandschmuck auf 100.000 Kronen. Für das Vestibül des in den Jahren 1905 bis 1911 erbauten Gesamtkunstwerkes schuf Forstner über seine um 1908 gegründete Wiener Mosaikwerkstätte ein Mosaik nach eigenen Entwürfen.

Weitere Arbeiten finden sich in der Kirche am Steinhof (1905/07), in der Begräbniskirche zum Hl. Boromäus am Wiener Zentralfriedhof (1907/ 10) oder auch im Grand Hotel Wiesler in Graz, in dem von 1907 bis 1909 von Marcel Kammerer errichteten Jugendstiltrakt. Vom Zweiten Weltkrieg an war die für das Grand Café geschaffene Darstellung des Frühlings (Geburt der Venus) bis 1981 hinter Sperrholzplatten verborgen. Im Rahmen der groß angelegten Umbauarbeiten des Dianabades 1913 bis 1917 steuerte der Kunstgewerbler für den Eingang und die Halle ebenso Ausführungen bei.

"Eindrucksvoll", erinnert sich Ernst Ploil, Teilhaber und Jugendstilexperte "im kinsky", der die legendäre Badeanstalt als Kind besuchte: "Der kreisrunde Eingangsbereich war mit prachtvollen, teilweise goldglitzernden Mosaiken ausgekleidet und in den Nischen standen die herrlichen Powolny-Figuren."

Ein Eindruck, der für den damals Sechsjährigen zum Synonym für das Dianabad wurde und die Erinnerung ans Interieur war der erste Gedanke, als er von den Abbruchplänen Anfang der 60er-Jahre hörte. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.12.2005)

  • Für den Kaufpreis von rund 16.600 Euro wechselten die um 1905 ausgeführten Bodenvasen nach Übersee.
    foto: im kinsky

    Für den Kaufpreis von rund 16.600 Euro wechselten die um 1905 ausgeführten Bodenvasen nach Übersee.

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