"King Kong": Der Mann hinter den digitalen Masken: Andy Serkis

15. Dezember 2005, 17:22
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Der britische Darsteller, ein gelernter Tänzer, schenkt King Kong Körper, Atem und Bewegungen

Gewiss, das Spiel mit Masken und Nicht-wieder-Erkennbarkeiten hat auch im Kino Tradition. Neuesten Entwicklungen zufolge könnte es aber schon in nächster Zukunft so sein, dass wir selbst Oscar-Preisträger noch nie "gesehen" haben.

Den (berechtigten) Lobeshymnen seiner Fans zufolge war etwa der britische Darsteller Andy Serkis in den letzten Filmen, in denen er mitgespielt hat, die Sensation, ein sensibler Figurengestalter - auch wenn man seinen Figuren auf den ersten Blick "Sensibilität" absprechen würde. Immerhin ist die erste Figur - der zwergenhafte Ring-Junkie Gollum in "Der Herr der Ringe" - ein von Gier und Mordlust getriebener Gnom. Und jetzt der Riesenaffe King Kong, wieder inszeniert von Peter Jackson? Der Ausbund animalischer Eifersucht? Wieso überhaupt "Schauspieler"? Sind das nicht Computerkreaturen?

Schenkt man Andy Serkis und Jackson Glauben, dann ist die digitale Ausgestaltung dieser Monster nicht mehr als eine zeitgenössische Form raffinierter Schminke. Wesentlich ist der Mensch, der sie am Drehset gespielt hat, dies freilich unter ziemlich komplizierten technischen Bedingungen. In einem hautengen weißen Trikot, angeschlossen an hunderte feinster Elektrosensoren, die seine Bewegungen und Mimik in grafische Computerprogramme übertragen, versetzte Serkis sich "ganz normal" in seine Rollen - was einerseits seinen Darstellerkollegen die dialogische Arbeit immens erleichterte und andererseits garantiert, dass Gollum und King Kong nicht Marionetten, sondern atmende virtuelle Geschöpfe werden. Wenn Gollum würgt und kreischt, so hört man Andy Serkis' Stimme, verfremdet. Wenn sich King Kongs Brustkorb hebt und senkt, dann durch Serkis' elektronisch verstärkten Atem.

Wenn man bedenkt, dass der 41-jährige Vater dreier Kinder und gelernte Tänzer derzeit (noch) weniger Autogramme geben muss als seine Co-Stars, dann könnte man ihm Bescheidenheit bis zur Selbstverleugnung unterstellen. Dies unterschlägt aber das Selbstbewusstsein, mit dem er seine Rollen gekapert hat.

Gefragt nämlich, ob er Gollum synchronisieren wolle, meinte der Schauspieler: "Nein, das reicht nicht aus. Ich muss ihn mir spielerisch erarbeiten." Heute bekennt Peter Jackson: Ohne die Pionierarbeit, die Serkis am Set von Herr der Ringe leistete, wäre King Kong in der heutigen Perfektion undenkbar. Zwar hatte es auch früher Versuche mit "realen" Animationscharakteren gegeben (etwa in Who framed Roger Rabbit, in Star Wars sowie zuletzt mit Tom Hanks im Trickfilm Der Polar-Express), doch in Jacksons Filmen gewinnt das Spiel mit digitalen Masken eine neue Qualität. Man darf gespannt sein, wie sich Andy Serkis demnächst verkleidet, sorry: verkabelt. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.12.2005)

Von Claus Philipp
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    Andy Serkis

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