[rau] Die Todesstrafe

20. Dezember 2005, 12:54
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Die Todesstrafe ist Teil des US-amerikanischen Wertesystems oder sogar der Folklore

Dass die Todesstrafe keine Schwerverbrechen verhindert, ist inzwischen Allgemeingut der Rechtspolitik. Eine sehr große Mehrheit der Amerikaner weiß das nicht oder will das nicht glauben oder ist trotzdem für die Todesstrafe, aus (oft verständlichen) Gründen der Vergeltung. Die Todesstrafe ist keine Spezialität des Präsidenten George W. Bush, der als Gouverneur von Texas, einem geradezu todesstrafenverliebten Bundesstaat, 137 Todesurteile bestätigt hat.

Bill Clinton, ein amerikanischer Präsident mit einem humanistischen Weltbild, hat als Gouverneur von Arkansas ebenfalls viele Todesurteile unterzeichnet. Kurzum, die Todesstrafe ist Teil des US-amerikanischen Wertesystems oder sogar der Folklore. Wer in den USA politisch hoch hinaufwill, darf die Todesstrafe nicht ablehnen. Man hat das immer gewusst, aber mit der wachsenden Entfremdung zwischen den USA und Europa wird es nun bewusster.

Wie würde ein Referendum über die Todesstrafe in Europa heute ausgehen? Letztlich, trotz aller populistischen Agitation, wohl doch mit einer Ablehnung. In den USA wäre es ein massives Ja. Allerdings, und das ist die Hoffnung, beginnen auch dort allmählich die Zweifel. (DER STANDARD Printausgabe 15.12.2005)

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