"Wir sind alle heiß darauf, die Minister und Faschos auszulöschen"

22. Dezember 2005, 13:26
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Französische Rap-Gruppe Sniper nach Klage des Innenministeriums freigesprochen: Lied war kein Mordaufruf

Rouen - "Wir sind alle heiß darauf, die Minister und Faschos auszulöschen", singt die französische Rap-Gruppe Sniper in ihrem Lied "France". Man müsse "bei ihnen Spuren hinterlassen, bevor sie krepieren". Das Pariser Innenministerium sah in diesen Zeilen eine Aufforderung zu Gewalt und Mord an Staatsbeamten und verklagte die Musiker. Doch das Berufungsgericht von Rouen teilte diese Ansicht nicht: In zweiter Instanz wurde Sniper am Mittwoch freigesprochen. Die Platte "France" wurde seit 1999 mehr als 250.000 Mal verkauft.

"Symbolischer Hilferuf"

Nach dreiwöchigen Krawallen in Einwanderer-Vorstädten hatte Innenminister Nicolas Sarkozy am 4. Dezember die Texte einiger Rap-Gruppen als unverzeihlich bezeichnet und angekündigt, dagegen vorzugehen. Dies löste eine breite Debatte in Frankreich über die Gewalt in Rap-Texten aus. Sniper war bereits nach einem Konzert im April 2004 in Rouen verklagt worden. Den Musikern drohten bis zu fünf Jahre Haft und 45.000 Euro Bußgeld. Vor Gericht argumentierten sie, ihr Lied sei ein symbolischer Hilferuf. Auch die Richter konnten keine Absicht zur Anstachelung von Gewalt in dem Text erkennen, der von vielen Zuhörern auswendig mitgesungen worden war. (APA/dpa)

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