Deutsches Nein für Weinabkommen

20. Dezember 2005, 19:08
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Import von US-Weinen soll erlaubt werden, die nach in der EU verbotenen Methoden hergestellt wurden. Deutschland will beim EU-Agrarrat mit Nein stimmen

Berlin - Die deutsche Bundesregierung will ein umstrittenes Weinhandelsabkommen zwischen der USA und den EU stoppen. Eine Sprecherin des Verbraucherschutzministeriums bestätigte am Mittwoch, 14. Dezember, in Berlin einen entsprechenden Bericht der "Tageszeitung". Bundesverbraucher-Minister Horst Seehofer (CSU) werde das Abkommen beim Rat der EU-Agrarminister von nächstem Montag bis Mittwoch in Brüssel ablehnen, betonte sie.

Das von der EU-Kommission ausgehandelte Abkommen soll den Import von US-Weinen erlauben, die nach in der EU verbotenen Methoden hergestellt wurden. Dies betrifft zum Beispiel den Zusatz von Wasser im Wein und die chemische Bearbeitung des Rebsaftes.

"Würde europäische Weinkultur erschüttern"

"Das hat mit Wein nach unserem Verständnis nichts mehr zu tun", betonte die Ministeriumssprecherin. Es handle sich eher um Laborprodukte als um Wein. "Wir können dem jetzt vorliegenden Abkommen nicht zustimmen, denn es würde die europäische Weinkultur erschüttern", sagte der Parlamentarische Staatsekretär im Verbraucherschutzministerium, Gerd Müller (CSU), der "taz". Er warf der EU-Kommission vor, dass bei den Verhandlungen "nur Marktöffnung und Liberalisierung im Vordergrund" stünden. Die Bundesregierung wolle sich dafür einsetzen, dass die importieren US-Weine ein Etikett erhalten, das dem Verbraucher zeige, dass "die US-Laborweine nach Verfahren hergestellt werden, die nicht den EU-Verbraucherstandards entsprechen".

Der Deutsche Weinbauverband unterstützt die Linie der Bundesregierung. "Die Amerikaner haben ihr Verständnis von Wein als Industrieprodukt durchgesetzt. Doch Wein ist ein handwerkliches Produkt", sagte der Geschäftsführer des Verbandes, Rudolf Nickenig, der "taz". (APA/AFP)

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    foto: epa/justin lane
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