Streit um kroatisches Staatsfernsehen HRT nach Kritik an Tudjman

21. Dezember 2005, 11:26
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Opposition: Sender muss von der Regierung unabhängig bleiben

Die kroatische Opposition hat am Mittwoch unter Protest das Parlament in Zagreb verlassen. Die linksliberalen Parteien wollten sich nicht an der "Treibjagd" und der "Verteufelung" des Staatsfernsehens HRT beteiligen, sagte Milanka Opacic von der Sozialdemokratischen Partei (SDP). Das HRT müsse von der Regierung unabhängig bleiben. Anlass waren Angriffe der regierenden rechtskonservativen Kroatischen Demokratischen Gemeinschaft (HDZ) auf die populäre Talkshow "Latinica" vom Montag.

Kritik

HDZ-Abgeordnete hatten wegen der kritischen Töne über die Politik des autoritären ersten Präsidenten Kroatiens und HDZ-Gründers Franjo Tudjman in den Jahren 1991-2000 die Ablösung des parteilosen HRT-Intendanten und weiterer Redakteure verlangt. Als möglicher Nachfolger wurde ein der HDZ nahe stehender Volksmusik-Sänger genannt.

HDZ-Abgeordnete beschuldigten die "Latinica"-Redakteure sogar, für den Selbstmord eines Kriegsveteranen verantwortlich zu sein. Der 54-Jährige soll sich laut HDZ nach der Ausstrahlung der Sendung mit einer Handgranate in die Luft gesprengt haben. Seine Frau sagte, ihr Mann sei wegen der Festnahme des wegen Kriegsverbrechen angeklagten kroatischen Generals Ante Gotovina in Spanien "verzweifelt" gewesen. (APA/dpa)

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