Wiener Grüne "besorgt" um neues Netzkultur-Fördermodell

22. Dezember 2005, 10:20
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Ringler: "Falsche Eile setzt Community der Gefahr der sozialen Kontrolle und Einschüchterung aus"

"Dem am Mittwoch im Gemeinderat beschlossenen neuen Modell der Subventionsvergabe im Bereich der Netzkultur haben die Grünen Wien trotz großer Skepsis zugestimmt, so eine Aussendung der Grünen Wien. Der von den Grünen eingebrachte Beschlussantrag, der eine begleitende Evaluation und ein Bekenntnis des Gemeinderates auch zur Wichtigkeit von vergleichsweise größeren Projekten und Institutionen im Bereich der Netzkultur (welche mit Fördersummen von 30.000 Euro kein Auslangen finden können), fand bei SPÖ, ÖVP und FPÖ keine Unterstützung.

Hybridmodell

Marie Ringler, Kultursprecherin der Wiener Grünen, sieht auch das erst gestern in letzter Minute beschlossene Hybridmodell zur Fördervergabe, welches aus einer Pattsituation heraus binnen einer knappen Stunde entwickelt wurde, sehr kritisch.

Das von der Community beschlossene Fördermodell setze das Prinzip der geheimen Wahl außer Kraft und führt zu starker sozialer Kontrolle und potentieller Einschüchterung: "Wir begrüßen die Entwicklung neuer Vergabesysteme, doch gerade partizipative Prozesse müssen Mindestgrundsätzen entsprechen. Ein neues Vergabesystem darf es nicht um jeden Preis geben." Weiters drohe die "Etablierung eines Freundschaftszirkels, der spätestens in drei Jahren dazu führen wird, dass neue Initiativen kein Geld bekommen."

Vier Säulen

Die Wiener Netzkultur-Szene zählt derzeit etwa 70 Player. Das neue Fördermodell mit vier Säulen wird dazu führen, dass in Zukunft etwa 20 Vereine je 7.000-28.000 Euro bekommen, weitere 30-40 je 1.000-5.000 . Dazu 3-4 Infrastrukturprojekte zu 20-30.000 und eine Annual Convention der Community.

Ringler: "Die Erhöhung der Geldmittel für kleinere Projekte ist eine langjährige Forderung der Wiener Grünen. Die SPÖ traut sich jedoch nicht ein Bekenntnis zu zusätzlichen Geldmitteln abzugeben, welche mehrjährig Projekte und die Veranstaltung von Tagungen, Ausstellungen, Selbstreflexion und Weiterentwicklung, Vermittlungsarbeit, theoretischer Grundlagenforschung auch in einem größeren Rahmen ermöglichen können. Es ist also kein mutiger Schritt von Stadtrat Mailath-Pokorny, sondern ein halbherziger." (red)

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