Im Fischreich gibt es Schwerhörige und "Luchsohren"

17. Dezember 2005, 12:30
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Die Art des Gewässers bestimmt das Hörvermögen - Karpfen hören gut, Meeresfische hingegen leben im Lärm

Wien - Fische hören in lauten Gewässern schlechter als in ruhigen, fanden Wissenschafter um Friedrich Ladich vom Department für Neurobiologie und Verhaltenswissenschaften der Universität Wien heraus.

Generell haben Fischarten, die vornehmlich in ruhigen Gewässern vorkommen, ein besseres Hörvermögen ausgebildet als solche, die etwa Gebirgsbäche bevorzugen. Zu den gut hörenden Fischen zählen etwa Karpfenartige, Salmler oder Welse. Diese haben Gehörknöchelchen zwischen ihrer Schwimmblase und dem Hörorganen ausgebildet. Dagegen neigen Fischarten, die vornehmlich in lauten Gewässern, wie Gebirgsbächen, vorkommen, zur Schwerhörigkeit.

Brandungslärm über tausende Kilometer zu hören

Auf den ersten Blick scheint die Tatsache erstaunlich, dass auch Meeresfische schlecht hören. "Die Meere sind vergleichsweise laute Gewässer", erklärte Ladich dieses Phänomen. Das erklärt sich schon durch die Größe und die Tatsache, dass Wasser Geräusche sehr gut und weit leitet. Eine natürliche Lärmquelle ist etwa die Brandung, vor allem an Steilküsten. Das Tosen des Wassers ist über tausende von Kilometern zu hören. Dazu kommt etwa der Schiffsverkehr als künstliche Lärmquelle.

Die Neurobiologen haben mittlerweile auch geklärt, wozu Fische überhaupt Hörorgane brauchen. So sind sowohl Räuber wie Beute zu hören, einen wichtigen Antrieb für die Ausbildung von Hörorganen in der Evolution spielte offenbar aber auch die Werbung um Partner. So produzieren nicht wenige Fische vor allem zu Balzzwecken verschiedene Arten von Geräuschen. Zu den bekanntesten Beispielen zählt etwa der Knurrhahn, der - nomen est omen - mit seiner Schwimmblase auch für den Menschen hörbare Knurr-Geräusche von sich gibt.

Anpassung an das jeweilige Gewässer

Die Tatsache, dass es verschieden laute Gewässer gibt, wirkt sich aber nicht nur aus evolutionärer Sicht auf Fische aus. Die Wiener Forscher konnten auch nachweisen, dass Vertreter der gleichen Art bei unterschiedlichen Pegeln an Hintergrund-Lärm auch verschieden gut hören. "Ein Karpfen in der vergleichsweise lauten Donau hört schlechter als etwa in einem Altwasser in der Lobau", so Ladich. Ob der Lärm bei den Tieren aber nachhaltigen Schaden anrichtet, wie von Menschen bekannt, ist noch nicht nachgewiesen. Hält man einen Donau-Karpfen und einen Lobau-Karpfen unter gleichen Bedingungen funktionieren die Fisch-Ohren beider Tiere in der Regel gleich gut.(APA)

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    Er hört gut (solange man ihn lässt): Der Karpfen

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