Spuren eines Verhältnisses

5. Februar 2006, 12:00
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"Love letters", das Theaterstück über den lebenslangen Briefwechsel von Melissa und Andy

"Ich schenke mich Dir aus der Ferne?
Du kannst mich zerreißen und wegwerfen,
oder mich behalten und lesen?
Heute, morgen? Wann immer Du willst?"

Ausgangspunkt des lebenslangen Briefwechsels zwischen Melissa und Andy ist Amerika vor dem zweiten Weltkrieg, als sich die beiden wohlbehüteten Kinder mit bürgerlichem Hintergrund die ersten Zettelchen unter der Schulbank zustecken und diesen Kontakt über das geschriebene Wort erst mit dem Tod von Melissa beenden (müssen).

"Love letters" erzählt die Geschichte einer Freundschaft zwischen Melissa und Andy, die in der Kindheit beginnt und sich zu einer Liebe ausweitet, die lange Zeit nicht bewusst, nicht ausgesprochen wird.

Ein Kabarett im eigentlichen Sinn ist "Love letters", ein A.R. Gurney-Stück, gespielt von Karin Resch und Herbert Tampier (Regie: Susanne Draxler), das am Donnerstag im Theater Neu Wien Premiere feierte, nicht. Auch wenn die Lacheffekte, insbesondere im ersten Teil, nicht ausbleiben, stehen sowohl die Tragik einer zwischenmenschlichen Begegnung als auch ein Geschlechterverhältnis mit Symbolcharakter im Vordergrund.

Die zwei Leben, die hier vorgeführt werden, laufen in unterschiedlichen Bahnen und ebensolchen Richtungen: Er, aufrecht, rational, den gesellschaftspolitischen Konventionen angepasst, eine geradlinige Erfolgskarriere zielstrebig verfolgend. Sie, "chaotisch", emotional, psychisch sowie physisch ausufernd, ihr künstlerisches Schaffen mit allen Höhen und noch mehr Tiefen treiben lassend.

Karin Resch und Herbert Tampier brillieren in den Ausdrucksformen ihrer geschlechtsspezifischen Rollen. Sie führen eine Identifikation vor, die erschaudern lässt. Ebenso ist die szenische Umsetzung, welche durch die Kargheit der Ausstattung und die Zu- und Abwendung der Ausführenden besticht, in den Händen der Regisseurin Susanne Draxler großartig gelungen. (dabu)

Weitererer Termin

Donnerstag, 22. Juni 2006
Beginn: 20 Uhr
Theater Spielraum, Kaiserstraße 46, 1070 Wien
Tel.: 01/713 04 60-60
Theater Spielraum

  • Artikelbild
    foto: brigitte gradwohl
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