Kritik an Blutwäsche "Tourismus"

14. Dezember 2005, 14:00
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Patientenanwaltschaft beklagt Kapazitätsprobleme und fordert mehr Dialyse-Plätze

Wien - Die Wiener Patientenanwaltschaft unter der Leitung von Walter Dohr kritisiert Kapazitätsprobleme bei der Dialyse in Wien.

Die Behandlungen in Nachtschichten "sind für die meisten Patienten eine unzumutbare Belastung", heißt es im Bericht für 2004, der am Donnerstag, im Wiener Landtag behandelt wird. Auch in der Jugendpsychiatrie fordert die Anwaltschaft mehr Plätze.

Anlass für die Kritik war der Fall eines Akut-Dialysepatienten, der in Wien keinen Behandlungsplatz fand und deshalb jedes Mal zur Blutwäsche in ein Spital ins Burgenland fahren musste. Weil die Sozialversicherung nicht für den Transport zahlen wollte, erreichte die Patientenanwaltschaft die Kostenübernahme durch ein Spital des Wiener Krankenanstaltenverbundes (KAV). Im Zuge des Prüfverfahrens wurde festgestellt, dass auch ein weiterer Patient von diesem "Tourismus" betroffen war.

In dem Bericht ist die Situation in einer Reihe Wiener Spitäler aufgelistet: Im Allgemeinen Krankenhaus (AKH) war die Akutdialyse derart überlastet, dass stationäre Patienten nur noch in den Nachtstunden eingeschoben werden konnten, "was dem Heilungsverlauf sicher wenig dienlich ist", heißt es im Bericht. Im Krankenhaus Lainz, das nun unter dem Namen Hietzing firmiert, war der Umbau der Station geplant, allerdings mit unbekanntem Realisierungszeitpunkt. Im Hanusch Krankenhaus gab es Einschränkungen aus Personalmangel.

"Generell bleibt als großes Manko neben der knapp bemessenen Kapazität der Umstand, dass die Dialyse zumeist in vier Schichten, manchmal sogar in fünf Schichten gefahren wird", heißt es im Bericht. Außerdem steige die Zahl der Patienten kontinuierlich, allein 2004 österreichweit um 14,5 Prozent. Die Wiener Patientenanwaltschaft fordert daher den Aufbau einer extramuralen Dialyseversorgung, also eine Behandlung außerhalb der Spitäler, die im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung geschaffen werden sollte.

Insgesamt wurde die Wiener Patientenanwaltschaft im Vorjahr 8.117 Mal in Anspruch genommen, was zu 1.636 aktenmäßig dokumentierten Fällen führte - ein Wert, der ungefähr dem Arbeitsanfall von 2003 entspricht. Unter den Beschwerdeführern waren fast 60 Prozent Frauen. In insgesamt 305 Fällen wurden 2004 finanzielle Entschädigungen mit einer Gesamthöhe von 2,7 Mio. Euro ausgehandelt. (APA)

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