Italienischer Bankenskandal - Fiorani festgenommen

15. Dezember 2005, 13:52
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Italiens skandal­umwitterter Bankier Fiorani festgenommen - Schwarzgelder an Politiker in Höhe von bis zu 200 Mio. Euro - Weitere drei Finanziers verhaftet

Rom - Italiens skandalumwitterter Bankier, Gianpiero Fiorani, der bereits im Sommer wegen seiner engen Verstrickungen mit Notenbankchef Antonio Fazio für Schlagzeilen gesorgt hatte, ist am Dienstagabend verhaftet worden. Neben Fiorani, Ex-Chef der Banca Popolare Italiana (BPI), ehemals Banca Popolare di Lodi, wurden drei weitere Finanziers festgenommen. Es handelt sich um den früheren Finanzchef Gianfranco Boni sowie um zwei hohe ehemalige Funktionäre des Bankinstitutes, Fabio Conti und Silvano Spinelli, berichteten italienische Medien. Ein fünfter Verdächtiger, Paolo Maront, flüchtete in die Schweiz.

Fiorani und die anderen fünf Banker werden beschuldigt, Politikern Schwarzgelder in Höhe von bis zu 200 Mio. Euro zugeschanzt zu haben. Der Vorwurf lautet auf Bandenbildung. Nach Erkenntnissen der Mailänder Staatsanwaltschaft arbeitete die Finanzabteilung der BPI wie eine Geheimbank, die auserwählten Kunden Kredite zu Vorzugsbedingungen gewährte.

Mailänder Staatsanwaltschaft ermittelt seit Sommer

Gegen Fiorani ermittelt die Mailänder Staatsanwaltschaft bereits seit dem vergangenen Sommer. Fiorani war im August bereits für zwei Monate von seinem Posten an der Spitze der BPI suspendiert worden, danach war er zurückgetreten. Laut Börsenaufsicht besteht der Verdacht, dass Fiorani in gemeinsamer Absprache mit der norditalienischen Bank Antonveneta gegen den Übernahmeversuch der niederländischen ABN Amro vorgegangen sei. Dabei konnte er mit der aktiven Unterstützung von seinem Freund, Zentralbankchef Fazio, rechnen.

Da der italienische Bankenmarkt als nach außen weitgehend abgeschottet gilt, hätte ein Erfolg des niederländischen Konzerns bei dem Übernahmeversuch weit reichende Folgen für die Bankenlandschaft in Italien gehabt. Nach langem Ringen schaffte die ABN Amro die Übernahme von Antonveneta.

Verfahren der EU-Kommission

Erst am Dienstag hatte die EU-Kommission ein Verfahren gegen Italien wegen des Verhaltens der Zentralbank bei grenzüberschreitenden Bankenfusionen eingeleitet. Die Kommission wirft Italien vor, bei der Aufsicht von Fusionen im italienischen Bankensektor gegen den freien Kapitalverkehr sowie die Niederlassungsfreiheit von Unternehmen verstoßen zu haben. ABN Amro hatte sich bei der Kommission beschwert, dass die Bank von Italien (Notenbank) bei der Übernahmeschlacht um die Antonveneta heimische Bieter bevorzugt habe. Die Zentralbank hatte die Vorwürfe zurückgewiesen.

Notenbankchef Fazio verteidigt sich

Am Mittwoch wurden die Wohnungen und Büros von weiteren 15 Managern der Banca Popolare Italiana (BPI), ehemals Banca Popolare di Lodi, durchsucht. Durchsucht wurden unter anderem die Wohnungen vom Präsidenten der Banca Popolare Italiana, Giovanni Benevento, und des Vizepräsidenten des Geldhauses, Desiderio Zoncada, berichteten italienische Medien.

Inzwischen gerät Notenbankchef Antonio Fazio immer stärker unter Druck. Er wird beschuldigt, Fiorani in seinen dunklen Geschäften unterstützt zu haben. "Ich habe stets das Gesetz korrekt angewendet. Wenn Fiorani sich für Illegales verantwortlich gemacht hat, habe ich mir nichts vorzuwerfen", wurde Fazio von der Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera" am Mittwoch zitiert.

Fehlverhalten

In der Fazio-Affäre sieht auch die Europäische Zentralbank (EZB) Anhaltspunkte für ein Fehlverhalten bei grenzüberschreitenden Bankenfusionen. Die sechs EZB-Ratsmitglieder werfen Fazio vor, sich im Duell um Antonveneta auf die Seite des italienischen Bieters geschlagen zu haben.

Wegen des Skandals um Fazio hatte das römische Parlament im Oktober eine Reform der italienischen Notenbank verabschiedet. Der Reform zufolge soll der Chef von Italiens Notenbank künftig nur noch sieben Jahre im Amt bleiben. Bisher konnte der Notenbank-Gouverneur in Italien lebenslänglich im Amt bleiben. Die Vorgabe sieht keine Altersgrenze für den Gouverneur vor. Wegen der Reform ist Fazio jedoch nicht zum Rücktritt gezwungen. (APA)

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    Gianpiero Fiorani, der bereits im Sommer wegen seiner engen Verstrickungen mit Notenbankchef Antonio Fazio für Schlagzeilen gesorgt hatte, ist am Dienstagabend verhaftet worden.

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