Betriebsrat mit neuem Eigentümer zufrieden

21. Dezember 2005, 14:24
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"Hatten von Anfang an viele Verbündete" - Kritik an NÖ Landesregierung

Groß-Enzersdorf - Zufrieden mit der Übernahme der insolventen Austria-Frost in Groß-Enzersdorf bei Wien durch die ostdeutsche Frenzel-Gruppe zeigte sich am Mittwoch Betriebsrat und Gewerkschaft. Ziel aller Beteiligten sei die Übernahme durch einen neuen Eigentümer gewesen, der das Werk als Ganzes erhält, den Großteil der Arbeiter weiter beschäftigt und den Landwirten die gleichen Mengen wie bisher abnimmt. "Die deutsche Frenzel-Gruppe erfüllt das", so Betriebsratsvorsitzender Ewald Müller.

Zerschlagung wäre "tragisch gewesen"

Eine Zerschlagung des Austria-Frost-Werks im Marchfeld, wie es etwa das belgische Unternehmen Pinguin im Fall einer Übernahme geplant gehabt hätte, wäre "tragisch für alle Beteiligten und die gesamte Region gewesen", so Müller. Außerdem hätte es das Ende für die österreichische Gemüseproduktion bedeutet und dadurch auch negative Folgen für die Konsumenten gehabt.

Stolz ist Müller auf den gemeinsamen Kampf um die Erhaltung des Standortes: "Wir hatten von Anfang an viele Verbündete und viel Unterstützung. Dass sich Arbeiter, Gewerkschaft, Landwirte und Gemeindepolitiker zusammenschließen, ist nicht selbstverständlich. Es hat aber in unserem Fall funktioniert und schlussendlich unser Werk, unsere Jobs und die Lebensgrundlage der Bauern gesichert."

Organisation zahlt sich aus

Auch die Vertreter der Gewerkschaft Agrar-Nahrung-Genuss (ANG) waren über den Ausgang der Verhandlungen erfreut: "Dieses Beispiel ist ein schöner Beweis dafür, dass es sich auszahlt, sich zu organisieren", sagte ANG-Sekretär Gerhard Riess. "Ohne Betriebsrat und ohne den Schulterschluss aller Betroffenen wären die Beschäftigten der Austria Frost zu Weihnachten höchstwahrscheinlich arbeitslos gewesen.

Kritik äußerte der Gewerkschafter an den zuständigen Politikern in Niederösterreich: "Dass sich die Rettung des Werks nun viele an die Fahnen heften, gehöre in solchen Fällen offenbar dazu. Es ändert aber nichts am erfreulichen Ergebnis für die Beschäftigten und die Landwirte, wenn sich die Landesregierung fünf vor Zwölf als Retterin einschaltet. Ohne unsere Aktionen und ohne die große Unterstützung könnten sich so manche jetzt nicht als Helden feiern lassen." (APA)

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