Mobiles Breitband: Kundenwünsche steuern Markt, nicht Technologie

22. Dezember 2005, 10:14
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Mobilität in der Kommunikation wird zum wirtschaftlichen Faktor

Die Nachfrage nach Breitband-Internet-Anschlüssen boomt in Deutschland, die Wachstumsaussichten sind rosig. Nach einer Studie der Initiative Deutschland Online wird sich das Marktvolumen für das schnelle Internet bis 2010 auf 10 Milliarden Euro verfünffachen. Mobilität in der Kommunikation wird immer wichtiger und hat sich zu einem wirtschaftlichen Faktor entwickelt, der auch in Zukunft eine große Rolle spielen wird. Der weltweite Siegeszug des Internet wird auch mittel- bis langfristig anhalten. Der Präsident der Bundesnetzagentur , Matthias Kurth, hält es für möglich, dass noch vor Jahresende die Zehnmillionen-Grenze bei DSL-Anschlüssen überschritten wird. "Gleichzeitig ist Deutschland beim schnellen Internetzugang nach wie vor ein geteiltes Land. Vor allem in ländlichen Regionen und in einigen ostdeutschen Städten ist nach wie vor kein DSL zu bekommen. Da auch Angebote mit alternativen Zugangstechnologien rar sind, haben viele Internetnutzer bisher keine Chance, auf einen Breitband-Anschluss umzusatteln", schreibt Spiegel Online.

Teilung kann überwunden

Die Teilung in Sachen Breitbandzugang kann aber überwunden werden. Zum einen erlauben neue, auf Ethernet basierende Lösungen, DSL auch in Gegenden zu bringen, die auf Grund von speziellen Glasfaserkabeltechnologien heute noch sogenannte weiße Flecken auf der Breitbandlandkarte sind. Zum anderen schießen Mobile Breitband-Angebote aus dem breitbandkabellosen Boden. Nur wenige Insider behalten den Überblick, welche Produkte tatsächlich sinnvoll und marktfähig sind. Die Diskussionen darüber, ob beispielsweise WLAN und VoIP-Angebote den herkömmlichen Mobilfunk verdrängen können, werden leidenschaftlich geführt, unter anderem von Vertretern der Bundesnetzagentur und mehrere TK-Unternehmen auf dem Euroforum "Mobiles Breitband" in München.

Den Kinderschuhen entwachsen

Dass die mobile Breitband-Technologie längst den Kinderschuhen entwachsen ist, belegt ein Zahlenvergleich: Bisher waren per UMTS Download-Geschwindigkeiten von 384 kbit in der Sekunde und im Upload von 64 kbit/s möglich. Was gestern noch als absoluter Highspeed-Standard für die Mobilfunktechnologie galt, darf heute schon fast als lahme Ente bezeichnet werden. Längst ist UMTS von seiner eigenen Weiterentwicklung eingeholt worden, der UMTS-Turbo heißt High Speed Downlink Packet Access (HSDPA) und ermöglicht im Mobilen Breitband Downloadgeschwindigkeiten von theoretisch bis zu 14 Mbit in der Sekunde.

10 Mbit /s.

In seinem so genannten Mobile Broadband Experience Center in Düsseldorf erreichte die Ericsson GmbH Deutschland mit HSDPA Phase 2 schon über 10 Mbit /s. Hierbei handelt es sich nach Unternehmensangaben nicht um Laborversuche, sondern um einen Demobetrieb für Kunden und Netzbetreiber. Im Unterschied zu UMTS, wo mindestens alle 10 Millisekunden ein neues Datenpaket übertragen werden kann, ist das bei HSDPA alle 2 Millisekunden möglich. "Die HSDPA-Lösung von Ericsson läuft derzeit in fünfzehn Ländern in Asien, dem Mittleren Osten, Afrika, Europa und Nordamerika. US Mobilfunkbetreiber Cingular hat im Oktober in Teilen seines Netzes HSDPA als erster Anbieter weltweit live geschaltet", so Mehdi Schröder, Sales Director von Ericsson für den Enterprise Bereich in Deutschland.

Geschäftskunden

Mobile Breitbanddienste würden sich an Geschäftskunden richten, die unterwegs Firmendaten und Nachrichten abfragen wollen und an Verbraucher, die überall mobiles Fernsehen und Video empfangen oder den neusten Song aufs Handy laden wollten: "80 Prozent großer Unternehmen haben Mitarbeiter, die fast ständig unterwegs sind", sagt Schröder. Über 90 Prozent hätten mindestens zwei Telefone und das Mobiltelefon werde gleichwertig am Schreibtisch mitbenutzt. Außerdem sei rund ein Drittel der Beschäftigten davon überzeugt, ihre Arbeit effizienter gestalten zu können, wenn sie E-Mails von unterwegs schreiben und abrufen könnten und jederzeit Zugriff auf das Firmennetz hätten. Bei Ericsson heißt die Lösung "One Phone" und gewährleiste das Arbeiten auch unterwegs von einem einzigen Endgerät aus, als wäre man im Büro. Mit der Technologie ist es möglich, per Notebook oder Smartphone zu kommunizieren, gleichzeitig Daten zu bearbeiten und auszutauschen.

Wegfall von Leitungsmieten

Der Wegfall von Leitungsmieten und zusätzlichen Gesprächsentgelten zwischen Festnetz- und Mobilfunkanschlüssen, erheblich reduzierter buchhalterischer und administrativer Aufwand bei der Verwaltung der Telefonkosten, niedrigere Hardware-, Support- und Updatekosten für durchschnittlich 1,2 statt 2,53 Endgeräte pro Mitarbeiter seien entscheidende Argumente. Sven Bolthausen, Ericsson-Bereichsleiter Advisory Services, hat auf der Euroforum-Konferenz das hohe Wachstumspotential des Breitbandmarktes hervorgehoben: Der jährliche Zuwachs von Breitbandanschlüssen liege mit 120 Prozent sogar noch über dem Zuwachs bei Neuanmeldungen von Mobiltelefonen mit 110 Prozent , wenn man den Zeitraum zwischen 1998 und 2004 betrachtet.

Konvergenz

Bei der Tagung ging es unter anderem um die Konvergenz von Mobilfunk und Fernsehen, den aktuellen Entwicklungsstand der Technik und um mögliche neue Geschäftsmodelle, die die Anbieter vorbereiten. "Gerade die Tatsache, dass Lösungen individuell auf unterschiedliche Kunden ausgerichtet sein müssen, ist Garant für eine Wachstumsstory", meint Bolthausen. Mobilität sei heute unerlässlich insbesondere für den Unternehmenserfolg. Für Ericsson stellt sich bei der Entwicklung neuer Lösungen die Leitfrage: "Wer will was, wie und wann?" Der TK-Markt habe sich gewandelt vom technologiegetriebenen zu einem von Kundenwünschen gesteuerten Markt. Dass Mobilität dabei an erster Stelle stehe, belegten Kundenaussagen wie "Das Handy ist Teil meiner Garderobe." Auch Bolthausen bestätigt eine Einschätzung, die Ericsson bereits bei der Entwicklung von One Phone gemacht habe, dass nämlich immer stärker auch dort, wo das Festnetz vorhanden ist, das Mobiltelefon auch für ausgehende Anrufe benutzt wird und damit immer mehr in das Zentrum der individuellen Kommunikation rückt. (pte)

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