Offenbarungen zum Dazugehören . . .

15. Dezember 2005, 19:51
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Schrefl zieht von Lokal zu Lokal und trifft Gesellschaftsspalten-Bevölkerer

Dass da Leute unkten, niemand brauche so ein Buch, lag daran, dass die Motzer ja schon dazugehörten. Und denen kann Nikolaus Schrefls Montagabend im "Alpha Community"-Club im Wiener Hotel Le Meridien vorgestelltes Buch wirklich nichts erzählen. Aber jenen, die sich immer schon gefragt haben, worum es eigentlich beim Dazugehörgetue geht, bietet "Wien - ein Szene-Staccato" (Egoth-Verlag) die endgültige Antwort: um Nichts. Um gar nichts. Außer ums olympische Prinzip: Dabeisein ist alles. Und eben das beschreibt der Societyjournalist (u. a. Täglich Alles, Seitenblickemagazin) und Eventveranstalter (u. a. "Alpha Community") in seinem "Tagebuch eines Bonvivantes" (Buchuntertitel) minutiös: Schrefl zieht von Lokal zu Lokal und trifft Gesellschaftsspaltenbevölkerer. Auch wenn kein Mensch die geschilderte Dichte des Montagmorgen-bis-Sonntagnacht-Dabeiseins durchhalten könnte, ist eines unbestritten: Für Wannabe-Dazugehörer ist das Buch eine Handlungsanleitung. So mancher Dazugehörer hat es nämlich genau so gemacht.

. . . und zum Jahr des armen Wolferls Am selben Ort - "Alpha Community" - verkündete dann später Hannes Eder eine große Wahrheit: "Mozart kann sich nicht mehr wehren", erklärte der Chef der Plattenfirma Universal. Und schickte iMozart Lounge auf die Bühne: Die Quersumme aus einer Halbnackte-Geigerinnen-Girlieband und Verkäufern von Tickets für Wien-Touristen-Konzerte pürierten Mozart so "loungig", dass der Wunsch, das kommende Jahr im Koma verbringen zu dürfen, auf mancher Christkind-Wunschliste aufpoppte. Mozart kann sich zwar nicht wehren - aber immerhin muss er das, was 2006 bringen wird, nicht miterleben. (Thomas Rottenberg, DER STANDARD Printausgabe, 14.12.2005)

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