Pöstlingbergbahn: Neuer Angriff der ÖVP

14. Dezember 2005, 21:03
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Rückzug der Ausschreibungen gefordert - Denkmalschutz-Verfahren eingeleitet

Linz - Für ÖVP-Vizebürgermeister Erich Watzl war es ein "schöner Tag". Jetzt sei gewährleistet, worum er und seine Partei seit Monaten "gekämpft haben". Die Pöstlingbergbahn, historisches Wahrzeichen von Linz, bleibe in ihrem Erscheinungsbild auch nach der bevorstehenden Generalsanierung erhalten.

Denn seit Montag ist es amtlich, was der Landeskonservator des Bundesdenkmalamtes, Wilfried Lipp, bereits im November im STANDARD angekündigt hat. Die Pöstlingbergbahn, steilste Adhäsionsbahn der Welt, wird unter Denkmalschutz gestellt. Das entsprechende Verfahren zur Unter-Schutz-Stellung ist eingeleitet.

Kein Ende des Streits

Doch damit ist der Politstreit um die Bahn auf den Linzer Hausberg nicht beendet. Die ÖVP fand bereits den nächsten "Angriffspunkt": Der Betreiber der Bahn, die Linz Linien, soll die Ausschreibung für neue Garnituren zurücknehmen. "Alles andere wäre eine Verschwendung von Steuergeldern", wettert Watzl. Denn mit der Entscheidung des Bundesdenkmalamtes sei für ihn klar "Finger weg von neuen Waggons".

Ende März 2006 wollen sich die Linz Linien festlegen, welche der drei Varianten der Runderneuerung der 107 Jahre alten Bahn umgesetzt wird. Technische Überholung der Nostalgiebahn, neue Waggons, die zum Charakter der historischen Bahn passen oder aber eine Mischung aus alten und neuen Garnituren. An den entsprechenden Ausschreibungen, die Ende Jänner herausgehen sollen, werde nichts geändert. Denn der Betreiber muss aus Sicherheitsgründen eine Generalsanierung des öffentlichen Verkehrsmittels vornehmen.

Erst vorige Woche haben bei einer Testfahrt mit einem Kontrollor des Landes die Zangenbremsen blockiert, so dass die Bahn stecken blieb, erklärt Linz-Linien-Direktor Walter Rathberger. Die Absicht des Bundesdenkmalamtes die Bahn unter Schutz zu stellen, bedeute lediglich, dass Veränderungen künftig mit dem Denkmalamt abgesprochen werden müssen.

Schwarze "Retter"

Genauso sieht das auch SPÖ-Bürgermeister Franz Dobusch. Deshalb wolle er den neuerlichen Versuch Watzls, die "ÖVP in der Öffentlichkeit als Retter der Pöstlingbergbahn" hinzustellen, gar nicht mehr kommentieren.

Die Linzer haben mittlerweile konkrete Vorstellungen über die Zukunft der Bahn. Sie möchten, dass die bisherigen Waggons im Einsatz bleiben. Laut einer repräsentativen Telefonumfrage des Market-Institutes, bei der 500 Linzer interviewt wurden, wünschen sich 78 Prozent, dass bei der Pöstlingbergbahn alles beim Alten bleibt. (Kerstin Scheller, DER STANDARD Printausgabe, 14.12.2005)

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