Italienische Freuden, virtuelle Fehden

21. Dezember 2005, 10:07
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Italien freut sich über Madonna-Sieger Rocca, Rocca freut sich auf die Olympischen Spiele 2006 in Italien, Worte fliegen um die Welt

Madonna/Gröden - Was wer über wen im Zirkus sagt, pflegt in Windeseile, aber doch über mehrere Stationen, in die spezifisch interessierte Welt hinausgetragen zu werden, ist deshalb auch nicht vor Veränderungen gefeit. So hatte Bode Miller vor Wochen in Lake Louise in einem Interview fürs französische Fernsehen zum Stichwort Hermann Maier sinngemäß gemeint, dass Worte und Taten nicht immer korrelieren und dies ethisch nicht einwandfrei sei.

Naturgemäß sprach sich das bis in Maiers engere Umgebung durch, worauf Maiers Pressesprecher den Kontakt zu jenem Millers suchte, der Miller'sche seinem Schützling von einer gewissen Aufregung berichtete, worauf wiederum der Bode in Val d'Is`ere ein Plauscherl mit dem Hermann suchte, und die Aufregung, jedenfalls im Kernbereich, gar keine mehr war.

Der alte Rocca

Nachdem Giorgio Rocca den Nachtslalom in Madonna di Campiglio gewonnen hatte, sagte der zweitplatzierte Benjamin Raich in Bezug auf allerlei tradierte Geschichten - wie etwa eine aus dem Sommer, als Miller eine Freigabe von EPO öffentlich erwogen hatte, oder jene, die Maier betrifft -, dass er Miller nicht mehr ernst nehmen könne. Finnlands Palle Kalander, der Dritte von Madonna, an sich ein witziger Typ, erzählte dort den Informanten der Welt in Bezug auf Roccas Triumph, dass es so aussehe, "als hätten wir einen neuen Alberto Tomba". Diese Aussage produzierte nicht einmal ein Raunen, und das nicht nur deswegen, weil Rocca schon vor Jahren betont hatte, dass es sich bei ihm nicht um einen neuen Tomba, sondern um Giorgio Rocca handelt.

Seine Siegesliste ist auch um einiges kürzer. Doch heuer gewann Rocca (30) sämtliche Slaloms, zwei an der Zahl, in seiner Karriere sammelte er bereits acht Siege. In Madonna sorgte er für den ersten Heimsieg seit Tombas drittem Triumph 1995, er selbst gewann erstmals in Italien. Roccas Mama ist Schweizerin, der Vater Italiener. Giorgio kam in Chur auf die Welt, verbrachte dort das erste Lebensmonat, übersiedelte dann nach Livigno, wo er immer noch zu Hause ist, und wurde mit zweieinhalb Jahren auf die Skier gestellt. "Das ist sehr wichtig für den italienischen Skisport", sagt er, den Sieg in Madonna kommentierend. Und er versprach noch mehr, nämlich seine Form bis zu den Olympischen Spielen in Turin zu halten. Betrübnis äußerte er an der Stätte seines jüngsten Triumphes darüber, dass der Klassiker in Madonna aus dem Kalender gestrichen wurde.

Der neue Rocca

Und Giacomo wird er wohl auch bald auf die Skier stellen. Der neue Rocca hätte laut Plan gestern auf die Welt kommen sollen, hatte dies aber schon vor fünf Tagen getan. Dafür hatte Frau Tania Rocca gesorgt, die sich aus ihrem Beruf als Notarin zurückzog, um Giorgios Skikarriere flankierend zu begleiten, das führt vom Management bis zur Bekochung des italienischen Teams in Trainingslagern.

Abgesehen davon steigt heute das erste Abfahrtstraining auf der Saslong, die Kamelbuckel warten schon. Rocca ist weder für Super-G (Freitag) noch Abfahrt (Samstag) geeignet, sehr wohl aber für den Riesenslalom in Alta Badia am Sonntag. (Benno Zelsacher DER STANDARD Printausgabe 14.12.2005)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Giorgo Rocca hat das Feuer im italienischen Lager entzunden.

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