Gentechniker nehmen sich Bäume vor

20. Dezember 2005, 12:29
36 Postings

Pappel als Versuchsobjekt - "Neue" Bäume sollen ideales Holz für Papier liefern oder Schadstoffe im Boden abbauen

Geisenheim - Nach Mais, Soja und anderen Feldfrüchten nehmen sich die Gentechniker nun auch die Bäume vor. Sie sollen mit fremden Genen beispielsweise ideales Holz für Papier produzieren, Schadstoffe im Boden abbauen oder unempfindlich gegen enge Platzverhältnisse in Plantagen werden. Am weitesten seien die Forschungen an der Pappel fortgeschritten, sagte Thomas Teichmann von der Universität Göttingen am Dienstag bei einer Fachtagung in Geisenheim im Rheingau.

Das Erbgut der Pappel sei vollständig entschlüsselt, sie wachse schnell und lasse sich gentechnisch verändern. Für die Papierherstellung beispielsweise müssten in ihr Eigenschaften von Laub- und Nadelholz vereinigt werden - das Holz von Laubbäumen habe einen geringen Gehalt an Lignin, Nadelholz habe längere Fasern. Ideal zur Papierproduktion sei eine Kombination von beiden. Andere Ziele der Gentechniker sind Unempfindlichkeiten gegen Krankheiten, Unkrautvernichtungsmittel oder Stress - etwa in dicht bepflanzten Plantagen.

Bereits zwei Mal gentechnisch veränderte Pappeln ausgesetzt

In Deutschland seien bisher zwei Mal gentechnisch veränderte Pappeln freigesetzt worden, sagte Teichmann. Ein Projekt habe der Sicherheitsforschung Ende der 1990er Jahre gedient. In dem zweiten Versuch, der in diesem Jahr abgeschlossen werde, sollten gentechnisch veränderte Bäume Kupfer aus einem belasteten Boden in Sachsen-Anhalt abbauen. Ungeklärt sei bisher, welche Folgen die Pollenverbreitung gentechnisch veränderter Bäume über große Strecken hat, sagte Teichmann. Auch die Methoden, fremde Gene ins Erbgut der Bäume zu pflanzen, seien noch nicht zielgenau. (APA/dpa)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    "Neue" Pappeln aus dem Genlabor.

Share if you care.