Gudrun Harrer - EU-Sondergesandte in Bagdad

23. Februar 2006, 08:50
14 Postings

Eigentlich wollte die Außenpolitik-Chefin des STANDARD Opernsängerin werden - Über die Arabistik kam sie zum Journalismus und nun in den Irak

Sie ist die Expertin für Arabistik und den Nahen Osten. Und sie kocht gerne. Über beides schreibt sie. Gudrun Harrer ist in der Wissenschaft und in der Weltpolitik ebenso zu Hause, wie ihr die leiblichen Genüsse am Herzen liegen. Sie ist bekannt für ihre Analysen zur irakischen Verfassung, für ihre Fischsuppe und die Pasta.

Am Dienstag wurde Gudrun Harrer, Außenpolitik-Ressortleiterin des STANDARD, zur Sondergesandten der österreichischen EU-Präsidentschaft im Irak und zur Geschäftsträgerin der österreichischen Botschaft in Bagdad bestellt. Es ist eine mutige Entscheidung des Außenamtes, eine Expertin – noch dazu eine Journalistin – und nicht ein Mitglied des diplomatischen Korps mit dieser wichtigen und heiklen Aufgabe zu betrauen. Man kann aber davon ausgehen, dass die 46-Jährige in Bagdad nichts anbrennen lassen wird.

Wollte Opernsängerin werden

Dabei wollte Harrer Opernsängerin werden. Nach der Matura am akademischen Gymnasium in Salzburg und dem intensiven Klavierunterricht am Mozarteum studierte sie Gesang in Detmold und in Mailand. Ein Rottweiler-Biss in den Arm beendete die Karriere am Klavier, und auch das Interesse an den großen Opernbühnen ließ nach. In Wien studierte Harrer schließlich Arabistik und Islamwissenschaften. Anfang der 90er- Jahre begann sie im Korrektorat des STANDARD zu arbeiten – und wurde immer öfter für Beiträge im außenpolitischen Ressort herangezogen.

1993 wurde sie schließlich als Redakteurin angestellt, 1998 übernahm sie die Außenpolitik als Chefin. "Ich wollte gar nicht Journalistin werden", erzählt sie, "aber es gab einen echten Bedarf nach meinen Themen." Ihre Diplomarbeit schrieb sie zu den Transkriptionsproblemen des Arabischen, 2003 veröffentlichte sie das Buch "Kriegs-Gründe – Versuch über den Irak-Krieg". Seit Herbst vergangenen Jahres arbeitet sie an ihrer Dissertation zum irakischen Atomprogramm. Die Arbeit ist kurz vor dem Abschluss, sie wird sie nach Bagdad mitnehmen.

Kulturgeschichte der österreichischen Küche

Neben dem profanen Weltgeschehen ist Harrer auch tief in die Kulturgeschichte der österreichischen Küche und deren praktische Anwendung eingetaucht, gemeinsam mit Christa Fuchs veröffentlichte sie zwei Kochbücher: "Als Oma im Keller Quargel aß" (1999) und "Besoffene Kapuziner" (soeben erschienen).

Harrer wurde in Schwanenstadt in Oberösterreich geboren, ihre Schulzeit verbrachte sie durchgehend im Internat. Sie ist ledig, hat keine Kinder, aber einen großen Freundeskreis, den sie selten genug, dann aber aufwändig bekocht.

Interview mit Khatami

Eines ihrer besten Interviews, sagt sie selber, war jenes 2004 in Teheran mit dem iranischen Staatspräsidenten Mohammed Khatami. "Mich hat die Offenheit, mit der er gesprochen hat, beeindruckt." Khatami hatte sich bei Harrer für das Kopftuch, das sie tragen musste, entschuldigt. (Michael Völker/DER STANDARD, Printausgabe 14.12.2005)

Interview

"Wir verteidigen das freie Denken"

Irans Präsident Khatami betont im Gespräch mit Gudrun Harrer Forderung nach freien Wahlen: "Werde alles daransetzen, um das zu erreichen"

  • Gudrun Harrer ist in der Wissenschaft und in der Weltpolitik ebenso zu Hause,
wie ihr die leiblichen Genüsse am Herzen liegen.
    foto: cremer

    Gudrun Harrer ist in der Wissenschaft und in der Weltpolitik ebenso zu Hause, wie ihr die leiblichen Genüsse am Herzen liegen.

Share if you care.