Steirische Reflexe

13. Dezember 2005, 18:07
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Der Streit um den Tierpark Herberstein und das Motto "vieles anders, vieles besser" - Von Colette M. Schmidt

"Vieles anders, vieles besser", lautete einer der Slogans der steirischen SPÖ im Wahlkampf. Dass die ÖVP nach 60 Jahren den Landeshauptmann an Franz Voves verlor, ist mehr als ein Indiz dafür, dass viele eine Erneuerung in ihrem Land herbeisehnten. Das gegenseitige Verhindern der durch das Proporzsystem aneinander geketteten Regierungsparteien, dubiose Förderungsvergaben und die Versorgung von Parteifreunden mit Posten oder Bedarfszuweisungen hingen den Steirern vermutlich nicht erst im ungewohnt niveaulos geführten Wahlkampf zum Halse heraus.

Herberstein vor dem Aus

Umso entmutigender wirkt da der neuerlich um den wirtschaftlich völlig maroden Tierpark Herberstein entbrannte Streit. Irgendwie nicht anders, nicht besser, nur eine neue Rollenverteilung im Schattenboxen. Denn tatsächlich scheint die Empörung der ÖVP über die von der SPÖ vorgeschlagene Überbrückungshilfe für den Tierpark ein bisschen übertrieben. Nicht darum, weil 600.000 Euro nicht sehr viel Geld wären, sondern weil auch die ÖVP ganz genau weiß, dass der oststeirische Betrieb, der nun erstmals für den Winter zusperren musste, ohne Soforthilfe wahrscheinlich nicht wieder aufsperren kann. Zudem hatten sich alle Parteien im steirischen Landtag immer für eine prinzipielle Erhaltung von Herberstein ausgesprochen. Nicht ausgesprochen hatte man sich aber für die Art, wie das Geld bisher an Schlossherrin Andrea Herberstein geflossen ist. Deshalb beschlossen ÖVP und SPÖ auch schon im August, dass künftige Förderungen nicht mehr an die Herberstein OEG, sondern auf ein eigenes Konto - ausschließlich zur Finanzierung des Tierparks - gehen sollten.

Doch solche nicht unwesentlichen Details werden in der öffentlichen Diskussion wieder einmal ausgespart. Statt sich entweder zur Schließung des Tierparks zu bekennen oder gemeinsam an einer sofortigen transparenten und für das Land finanziell bewältigbaren Lösung zu arbeiten, verfallen die Kontrahenten in alte Reflexe. Die SPÖ wird als "Umfaller" und "Wendehals" beschimpft, die ÖVP bekommt politische Botschaften des Regierungspartners nicht am Verhandlungstisch, sondern per Inserat ausgerichtet. Alles neu? Wohl kaum. Ernest Kaltenegger kann sich bereits jetzt die kommunistischen Hände reiben und diese, sollte sich die Gesprächskultur nicht ändern, auch gleich in den Schoß legen. Ihm sind die Stimmen frustrierter Steirerinnen und Steirer bei der nächsten Wahl sicher. (DER STANDARD, Printausgabe 14.12.2005)

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