Pilz für Aberkennung der österreichischen Staatsbürgerschaft

20. Dezember 2005, 10:37
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"Arnie" verliert seine steirischen Wurzeln - Unterschiedliche Reaktionen auf Schwarzeneggers Entscheidung

Hollywood hatte das Drehbuch geschrieben. Aufgewachsen als Sohn eines Landgendarmen im steirischen Dorf Thal bei Graz, stemmte sich Arnold schon in Jugendtagen aus seiner Biografie hoch und startete eine Ausnahmekarriere, die ihn nach Amerika brachte, ehe er den bisherigen Endpunkt seines filmreifen Lebensweges erreichte: republikanischer Gouverneur von Kalifornien.

Der Sohn als Buhmann

Die Fortführung seines Leinwandlebens als kompromissloser Vollstrecker in der US-Politik macht den als "Sohn der steirischen Heimat" gefeierten Arnold Schwarzenegger nun wohl endgültig zum Buhmann seiner Landsleute. Dass er es in der Hand hatte, den im Gefängnis geläuterten Stanley "Tookie" Williams zu begnadigen, und ihn dennoch an die Todesspritze ausgeliefert hat, will man ihm hierorts nicht mehr verzeihen.

Wie konnte dieser katholisch erzogene "Bua aus Thal" mit so starken Wurzeln aus dem österreichischen, europäischen Wertesystem kippen, fragt man sich in Arnolds Heimat.

Umbenennung des Stadions - Aberkennung der Staatsbürgerschaft

Schwarzeneggers "Kaltblütigkeit" verlange nun endlich Konsequenzen, reagierten Politiker der SPÖ, der Grünen, der KPÖ, und auch Vertreter seiner Heimatgemeinde Thal. Sie forderten am Dienstag, dass das offizielle Österreich mit "diesem" Schwarzenegger breche und ihm alle österreichischen Wurzeln kappe. Grüne und rote Politiker verlangten die sofortige Aberkennung der österreichischen Staatsbürgerschaft und die Umbenennung des Grazer Schwarzenegger-Stadions. In Thal wird bereits an einem grünen Antrag auf Aberkennung der Ehrenbürgerschaft gearbeitet.

Schüssel versucht zu kalmieren

Die ÖVP, die Schwarzenegger ideologisch näher steht, wollte sich den Attacken auf "Arnie" nicht anschließen. Bundeskanzler Wolfgang Schüssel versuchte zu kalmieren. "Ich bedaure jedes einzelne Todesurteil, das in der Welt vollzogen wird", man dürfe aber nicht "einzelne Hinrichtungen in den USA herausgreifen", zumal das Urteil in diesem Fall von einem unabhängigen Gericht gefällt worden sei, so Schüssel.

"Kein Bruch"

Schüssel erhält überraschend auch Unterstützung aus den Reihen der SPÖ. Albert Kaufmann, AK-Bildungsexperte, Jugendfreund Schwarzeneggers und mit Ex- Bundesratspräsident Alfred Gerstl einer der letzten österreichischen Kontaktpersonen Schwarzeneggers, hält die Kritik am Gouverneur für überzogen. Kaufmann im Standard- Gespräch: "Arnold hat keinen Bruch in seiner Biografie vollzogen, die beinharte politische Normalität hat ihn einfach eingeholt. Wir tun uns halt schwer mit unseren europäischen Köpfen, Amerika zu verstehen. Die Todesstrafe ist für uns unfassbar, in den USA Realität. Es ist aber keine Frage der Anschauung, sondern ein kategorialer Unterschied. Und man darf auch nicht vergessen: Schwarzenegger ist auch Amerikaner."

Hall of Fame

Der Medienkünstler Richard Kriesche, der Schwarzenegger vor Jahren im Grazer Schlossberg eine "Hall of Fame" errichten wollte, würde auch heute noch – trotz Hinrichtungen – eine Schwarzenegger-Stätte bauen. Kriesche: "Wir wollten diese Doppelwelt – vom Sohn der Provinz zum Weltstar – darstellen. Das gehört heute erweitert. Um diese andere politisch-kulturelle Dimension, mit der wir es zu tun haben. Ich würde die europäische Position hervorheben, denn hier in der Frage der Todesstrafe sind wir dem US-System klar überlegen. Es muss um diesen Wertevergleich, der für uns positiv ausfällt, gehen und nicht um die private Befindlichkeit des Herrn Schwarzenegger." (Walter Müller, DER STANDARD Printausgabe, 14.12.2005)

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