Ericsson trickste mit Tilgung von Schulden an Bank Austria

22. Dezember 2005, 10:14
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Vier Topp-Manager in Stockholm vor Gericht - Österreichische Ericsson-Tochter stand mit rund 88 Mio. Euro bei Bank Austria in der Kreide

Vier Top-Manager des schwedischen Telekommunikationsunternehmens Ericsson stehen in Stockholm wegen des Verdachts schwerer Steuervergehen vor Gericht. Laut einer Presseaussendung der schwedischen Behörde zur Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität vom Dienstag steht die Tilgung einer Schuldensumme von insgesamt 105 Mio. Dollar (88,1 Mio. Euro) der österreichischen Ericsson-Tochter SEA an die Bank Austria (BA-CA) im Mittelpunkt des bevorstehenden Prozesses.

Sponsoring

Laut Staatsanwaltschaft hatte SEA bei der Bank Austria Schulden in dieser Höhe aus einer Bürgschaft für die Bezahlung eines Handelsagenten, die von der Bank Austria finanziert worden war. Nachdem die österreichische Tochter nicht die vereinbarten Teilrückzahlungen für die Jahre 1999 bis 2001 bewältigen konnte, sprang laut Anklage die Schweizer Ercisson-Tochter EMK ein. Dort wurden die Transfers - insgesamt 388 Mio. Kronen (41,1 Mio. Euro) an die SEA aber unter Zuhilfenahme von Scheinrechnungen illegal als abzugsfähige Sponsoring-Ausgaben verbucht, so die Staatsanwaltschaft.

Hausdurchsuchungen

Der leitende Staatsanwalt Lage Carlström sagte am Dienstag gegenüber der APA in Stockholm, die Ermittlungen hätten unter anderem Hausdurchsuchungen in der Schweiz und Verhöre in Italien umfasst. In Österreich selbst habe es dagegen keine Untersuchungen gegeben, da die Bank Austria lediglich der Gläubiger in der Angelegenheit gewesen sei.

Was für ein Geschäft die Basis für die immense Schuldensumme der österreichischen Ericsson-Tochter war, habe nicht festgestellt werden können: "Man kann nicht ersehen, wohin das Geld geflossen ist", so Carlström. Im Zuge der Ermittlungen sei lediglich erwähnt worden, dass das Geld für "ein Geschäft in Russland" bestimmt gewesen sei.

Ordnug

Ericsson dementierte unterdessen das Ausstellen von Scheinrechnungen - man habe wegen Gefahr im Verzug rasch handeln müssen, um die Österreich-Tochter vor dem Konkurs zu bewahren, so Ericsson-Sprecher Henry Stenson gegenüber der schwedischen Nachrichtenagentur TT. Im Nachhinein habe sich Ericsson aber bemüht, die Buchhaltung wieder in Ordnung zu bringen.

Bei den Angeklagten handelt es sich um drei Angestellte und einen Ex-Angestellten von Ericsson. Angaben aus informierten Kreisen zufolge ist darunter ein stellvertretender Geschäftsführer, ein Finanzchef, sowie zwei Personen aus den Bereichen Controlling und Marketing mit Führungsfunktionen. Gegen einen Teil der Personen war bereits im Frühjahr Anklage erhoben worden. Der eigentliche Prozessbeginn wird im März kommenden Jahres erwartet.(APA)

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